22.10.2012

Der Donauraum im Blick der Wissenschaft

Vorträge von Dr. Michael Weithmann und Prof. Dr. András Inotai am kommenden Mittwoch- und Donnerstagsabend, 24. und 25.10., im Institut für Ost- und Südosteuropaforschung

Prof. Dr. András Inotai
Dr. Michael Weithmann

Die Donau bildet die zentrale Metapher der donumenta, das aktuelle, international renommierte Kunstgeschehen in den Donauländern sichtbar zu machen. Mit zwei Vorträgen am kommenden Mittwoch, 24. Oktober, und am Donnerstag, 25. Oktober setzen wir jeweils um 19 Uhr im Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (Landshuter Straße 4 · 93047 Regensburg) unsere hochkarätige Vortragsreihe über Persönlichkeiten, Hintergründe und Formate aktuelle Kunst fort – diesmal aus dem Blickwinkel der Wissenschaft.

Im Zentrum des Interesses steht der Donauraum in historischer und zukünftiger Perspektive. Es sprechen Dr. Michael Weithmann von der Universität Passau und Prof. Dr. András Inotai, Direktor des Instituts für Weltwirtschaft in Budapest. Es moderiert jeweils Dr. Konrad Clewing vom Institut für Ost- und Südosteuropaforschung. Der Eintritt ist frei.

Mittwoch, 24. Oktober 2012, 19 Uhr: Michael Weithmann: Der Donauraum – historische Gegebenheit oder pragmatisches Konstrukt?

Michael Weithmann, tätig an der Universität Passau, ist bekannt für seine gelenke Feder. Mit seinen Veröffentlichungen hat der Autor diverser Sachbücher zur südosteuropäischen und bayerischen Geschichte ein Publikum erreicht, das weit über enge Fachkreise hinausgeht. Insbesondere mit seinem Standardwerk „Die Donau. Ein europäischer Fluss und seine 3000-jährige Geschichte“ (Regensburg, Pustet Verlag 2000), dessen Neufassung im November 2012 bei Pustet und Böhlau (Wien) erscheinen wird, hat Weithmann das allgemeine Bild von der Bedeutung des zweitlängsten europäischen Flusses ganz erheblich mit geprägt. In seinem Vortrag geht Weithmann der Frage nach, in welcher Form die Donau als raumprägendes Element und der Donauraum selbst im historischen Ablauf interpretiert und ideologisiert worden sind.

Donnerstag, 25.10.2012, 19 Uhr: Prof. Dr. András Inotai: Die wirtschaftliche und politische Krise im Donauraum: europäische und hausgemachte Faktoren

Prof. Dr. András Inotai, Direktor des Instituts für Weltwirtschaft in Budapest, spricht über Entwicklungsmöglichkeiten im Donauraum. Er diskutiert, welche Chancen der EU-Donauraumstrategie und damit einer zukunftsorientierten Zusammenarbeit vor dem Hintergrund der globalen und europäischen Wirtschafts-, Finanz- und Sozialkrise eingeräumt werden können. Er betont, dass der Donauraum ein weitgehend geographischer und kultureller Begriff ist. Er umfasst Länder mit deutlich unterschiedlicher wirtschaftlicher Leistungskraft, Produktionsstruktur und Wettbewerbs- und Anpassungsfähigkeit und weist große historische, soziale und mentale Unterschiedlichkeiten auf. Die globale und europäische Wirtschafts-, Finanz- und Sozialkrise hat dort deswegen teils ähnliche, teils unterschiedliche Wirkungen und politische wie soziale Antworten hervorgerufen. Dabei gilt, dass die neuen Mitgliedstaaten der EU bereits in den letzten 20 Jahren außer von der jetzigen globalen Krise bereits von zwei weiteren großen Krisen herausgefordert worden sind, nämlich die Systemtransformation und die Anpassung an die Beitrittsbedingungen der EU. In kaum mehr als einer halben Generation akkumulieren sich die Kriseneffekte und die Konsequenzen der gegebenen Antworten. Der Erfolg der von der EU initiierten neuen Donaustrategie hängt dabei nicht zuletzt davon ab, wie weit die wiederkehrenden Spannungen (Populismus, Demagogie, Extremismus) innerhalb der Region durch eine zukunftsorientierte Zusammenarbeit überwunden und endgültig der Vergangenheit überantwortet werden können.

Prof. Dr. András Inotai ist Direktor des Instituts für Weltwirtschaft an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (Budapest). Nach internationalen Karrierestationen etwa in Peru und Washington zählt er zu den renommiertesten Ökonomen im östlichen Europa. Seine Forschungsschwerpunkte gelten weltwirtschaftlichen und europäischen Aspekten ebenso wie Fragen des Wirtschaftswachstums und der Integrationsreife der Neumitglieder und Kandidatenländer der EU. Als eine vernehmliche eigenständige gesellschaftspolitische Stimme steht Inotai in vielen Fragen kritisch zur heutigen Regierung seines Landes.