04.05.2017

Freie Kunst in der Ukraine?

Bei der Auftaktveranstaltung zur donumenta „Kunst, Kultur, Kritik in der Ukraine“ sprachen die Künstler Yevgenia Belorusets und Juri Andruchowytsch über ihre Heimat und stellten ihre neusten Werke vor.

01 14 14+x under construction Juri Andruchowytsch Y. Belorusets 25.04.2017 Foto Ronja Bischof
02 14 14+x under construction Dr.Hamerski, Prof. Brunnbauer, J. Andruchowitsch, Prof Hausmann, R. Hellwig-Schmid, Y. Belorusets Foto P Schmid-Fellerer
03 14 14+x under construction Veranstaltung Kunst, Kultur, Kritik in der Ukraine 25.04.2017 Foto P Schmid-Fellerer
04 14 14+x under construction Veranstaltung Kunst, Kultur, Kritik in der Ukraine 25.04.2017 Foto P Schmid-Fellerer

Dienstagabend, 18 Uhr. Der Melanchthonsaal im Evangelischen Bildungswerk ist voll. Im Publikum sitzen Universitätsdozenten, Studenten, Rentner, Ukraine-Urlauber. Sie alle sind gekommen, um die neuen Werke von Juri Andruchowytsch und Yevgenia Belorusets zu sehen und mehr über die Ukraine zu erfahren. Moderator Prof. Dr. Guido Hausmann vom Institut für Ost-und Südosteuropa gibt dem Publikum am Ende des Abends die Möglichkeit, den Künstlern Fragen zu stellen.

 

Yevgenia Belorusets kritisiert, dass die Ukraine, eines der 14 Donauländer, so selten in den Medien vorkommt. Wenn überhaupt, wird nur von Skandalen berichtet, die Medien verdrehen viel. „Die Menschen in Europa haben kein genaues Bild von der Ukraine“, sagt sie. Belorusets will das ändern. Sie ist Künstlerin und Fotografin, hat bereits zahlreiche Preise und Auszeichnungen bekommen, u.a. vom Guardian. Ihre Arbeiten sind alle politisch, ihre Intention dahinter: etwas verändern. Ein immer wiederkehrendes Thema bei ihren Werken ist die Soziale Frage und wie die Ukraine damit umgeht. Ihre letzte große Arbeit ist eine Fotoserie, bestehend aus über 200 Fotos, die sie 2014/2015 an der Front des Ukraine-Kriegs geschossen hat. Einen Teil davon zeigt sie an diesem Abend. Regina Hellwig-Schmid, Vorsitzende der Donumenta, weist darauf hin, dass Belorusets eine der 14 Künstlerinnen ist, deren Werk im Herbst 2017 bei der Open-Air-Gallery „14/14 + x: under construction“ zu sehen – und zwar nicht zu übersehen – sein wird.

 

Juri Andruchowytsch kommt aus dem Westen der Ukraine. Er arbeitet schon lange mit Regina Hellwig-Schmid zusammen. Seit seinem letzten Besuch in Regensburg 2014 hat sich viel getan. Sein 2011 erschienener Bestseller war kurz vor der Veröffentlichung auf Deutsch im Jahr 2016 nicht mehr aktuell: Vor fünf Jahren gab es noch keine Revolution auf dem Euromaidan, keinen Krieg in der Ukraine. Als er beginnt, aus seinem Buch „Kleines Lexikon intimer Städte“ zu lesen, wird es ganz still im Saal. Wer die Lesung verpasst hat, kann sein ausgewähltes Kapitel in der Schrift „DonauWelten. Ein Fluss-Buch“ nachlesen.