24.07.2017

Künstlerinnen und Künstler eröffnen neue Perspektiven auf den Donauraum - Regensburg bekommt Artist-in-Residence-Programm

Künstlerinnen und Künstler können Innovationsprozesse in Gang setzen. Davon sind die Stadt Regensburg und die Donumenta, ein im Donauraum etablierter Kunst- und Kulturakteur, überzeugt. Im Rahmen des EU-Projekts „Kulturplattform Donauraum“ haben die beiden Kooperationspartner jetzt ein Artist-in-Residence-Programm aufgelegt. Eine Jury hat neun Künstlerinnen und Künstler aus vierzehn Donauländern ausgewählt, die von August bis Oktober in der Akademie für Gestaltung im Andreasstadel arbeiten werden.

Klára Orosz arbeitet mit Schaumgummi. Für den Betrachter ein visuelles und haptisches Erlebnis. (Foto: Klára Orosz)

Juroren aus Bratislava, Budapest und Wien

„Regensburg braucht eine Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst“, so eröffnete Regina Hellwig-Schmid von der Donumenta die Jurysitzung mit Kuratorinnen und Kuratoren aus der Slowakei, Ungarn und Österreich sowie einem Vertreter der Stadt Regensburg, die am 14. Juni stattfand. Das Artist-in-Residence-Programm „Danube Art Lab“ sei ein Novum für die Stadt.

Juraj Čarný, Präsident der Internationalen Vereinigung der Kunstkritiker (AICA) in der Slowakei und Leiter des Instituts für Kuratorische Studien in Bratislava, Rhona Kopeczky, Kuratorin der Off-Biennale und der acb-Galerie in Budapest, und Annemarie Türk aus Wien, die unter anderem für das Bundeskanzleramt Österreich arbeitet und das Artist-in-Residence-Programm für KulturKontakt Austria leitete, wählten die Künstlerinnen und Künstler aus 31 Bewerbungen aus vierzehn Donauländern aus.

 

Kultureller Austausch entlang der Donau

Das EU-Projekt setzt mit aktuellen künstlerischen Positionen Impulse für eine neue, zeitgemäße Erschließung von „Hidden Places“ im Donauraum. Die Werke, die die Künstlerinnen und Künstler jeweils im Zeitraum von einem Monat erarbeiten werden, sollen vergessenes oder verborgenes kulturelles Erbe visualisieren.

Was in diesem Sommer mit neun Künstlerinnen und Künstlern beginnt, soll der Anfang einer Institution für Kreative aus allen Donauländern werden und über den Projektzeitraum von zwei Jahren (bis 2019) hinaus den kulturellen Austausch entlang der Donau fördern.

 

Der schwarze Turm

Einer der vergessenen Orte, die im Artist-in-Residence-Programm wieder sichtbar und erfahrbar gemacht werden sollen, ist der so genannte Schwarze Turm an der Steinernen Brücke. Kaum jemand erinnert sich an ihn. Er bildete einst den Abschluss der Steinernen Brücke nach Norden. Aufgrund von Kriegsschäden wurde der Wehrturm samt Zugbrücke und Gräben zu Beginn des 19. Jahrhunderts beseitigt.

Ein anderes historisches Thema, das auf die einst eng miteinander verbundenen Städte Linz, Prag und Regensburg verweist, ist das Leben des Astronomen Johannes Kepler. Auch hier sind Künstlerinnen und Künstler aufgerufen, Ländergrenzen überschreitende Wirkungsräume zu untersuchen und zu bearbeiten.

 

Künstlerische Interventionen: Verstören und versöhnen

Anfang August startet das „Danube Art Lab“ mit Klára Orosz aus Ungarn, Selma Selman aus Bosnien-Herzegowina und Milijana Istijanović aus Montenegro. Alle drei Künstlerinnen gehören der jüngeren Generation an, geboren nach 1980. Sie werden einen Monat lang in Regensburg arbeiten.

Klára Orosz ist bekannt für ihre überdimensionalen, mit dem Publikum interagierenden Installationen. Selma Selman ist eine Meisterin von Performances, die gleichzeitig verstören und versöhnen. Den Werken von Milijana Istijanović liegt der Gedanke zugrunde, dass die Objekte, mit denen sich ein Mensch umgibt, auf eben diesen verweisen. Für eine Arbeit in verlassenen Häusern inspirierten sie abgeplatzte Wände. Sie arbeitete daran weiter. In Hohlreliefs erzählte sie Bildergeschichten aus dem Alltag der früheren Bewohner.

In den Monaten September und Oktober 2017 werden sechs weitere Künstler in der Akademie für Gestaltung in Regensburg arbeiten: Die Künstlerin Bojana Knežević (Serbien) (Kroatien), der Performer und Soziologe Dimitru Oboroc (Rumänien) sowie die Installationskünstler Alexandru Raevschi (Moldawien), Alena Foustková (Tschechien), Nikita Kadan (Ukraine) und Borjana Ventzislavova (Bulgarien).