14.10.2017

Was modernistische Denkmäler des ehemaligen Jugoslawiens heute erzählen

Bei „Kunst Kultur Kritik – Kroatien“ diskutierten Tomislav Petrinec, Hauptkonservator und Vorsitzender der Kommission zur Bewertung von Kulturgütern beim Kulturministerium Kroatiens und Multimedia- und Performance-Künstler Igor Grubić über Gegenwart und Zukunft von antifaschistischen Denkmälern aus dem ehemaligen Jugoslawien.

v.l. n. r.: Hans Simon Pelanda, Tomislav Petrinec, Regina Hellwig-Schmid, Igor GRubic und Prof Dr. Ulf Brunnbauer Foto P Schmid-Fellerer

Es ging um den Einfluss der Politik auf die Kunst und umgekehrt. Das Gespräch moderierte Dr. Ulf Brunnbauer, Professor für die Geschichte Südost- und Osteuropas an der Universität Regensburg.

 

Anlass für die Diskussion bot Igor Grubićs poetisch-experimentelles Portrait von neun Denkmälern aus Beton. Fasziniert von deren modernistisch-abstrakten Formen, erfolgte Grubićs Annäherung zunächst aus formal ästhetischen Gründen. Zum Teil halb verwittert an den Küsten und Berghängen Kroatiens situiert, begegnete er in ihnen als eindrucksvollen „Kreaturen“. Der Konservator und Architekt Tomislav Petrinec teilte diese Auffassung und sprach ihnen darüber hinaus historische Bedeutung zu. Schwierig gestalte sich der Prozess der Restaurierung der ungefähr 1.000 modernistischen Denkmäler, die es nach einem Gesetz aus dem Jahre 1999 zu erhalten gelte. Vieles sei vom Volumen her Architektur und sprenge die Dimension von Denkmälern.

 

Brunnbauer verwies auf die politische Bedeutung der jugoslawischen Denkmäler und fragte: „Wie kann man verhindern, dass die Denkmäler Opfer politischer Strömungen werden?“

 

Igor Grubić erinnerte an Kozara in Bosnien-Herzegowina. Der Ort war während des 2. Weltkrieges Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen Soldaten der Wehrmacht und jugoslawischen Partisanen. Tausende wurden dort getötet, gefoltert und ins Konzentrationslager Jasenovac deportiert. Kozara liege in einem Nationalpark und dort halten sich regelmäßig viele Menschen auf, die dort ihre Freizeit verbringen. Durch Langzeitbelichtungen im Film zeichnete Grubić die dort Spielenden und Spazierenden wie verhuschte Gespenster. Dort, wo das Konzentrationslager Jasenovac stand, symbolisiert ein modernistisches Denkmal eine aufblühende Blume.

 

Als zentrale Frage kristallisierte sich im Verlauf der Diskussion heraus: „Wie können wir diese Monumente heute interpretieren?“ – Auch die filmische oder andere künstlerische Verarbeitung ihres Bedeutungsgehalts und nocht zuletzt die Wiederaneignung durch die Natur könne monumental und sinnstiftend wirken. Das zeige schließlich auch Igor Grubićs Film.