05.07.2017

Schöpfen für EU-Projekt aus dem Vollen

Stadt und Donumenta präsentieren Kulturplattform Donauraum - Verborgenes und vergessenes kulturelles Erbe sichtbar machen

Vertreter der EU-Projektpartner Stadt Regensburg und Donumenta manövrieren Rainer Prohaskas „MS Fusion“: Donumenta-Initiatorin Regina Helwig-Schmid (l.), Maria Lang von den Museen der Stadt Regensburg (2.v.r) und der Leiter der Städtischen Galerie „Leerer Beutel“, Dr. Rainer Mayer (Foto: Peter Ferstl, Stadt Regensburg)
Austausch über Kunst und Kultur an der Donau. Beim Netzwerktreffen „Kulturplattform Donauraum“ verständigten sich die Projektpartner Stadt Regensburg, vertreten durch den 3. Bürgermeister Jürgen Huber (rechts), und die Donumenta, vertreten durch Regina Hellwig-Schmid (Mitte), auf ihr gemeinsames Ziel. (Foto: Donumenta)

Donumenta und Stadt sind Kooperationspartner im EU-Projekt „Kulturplattform Donauraum“. Beim Netzwerktreffen vergangenen Donnerstag im „Leeren Beutel“ informierten sie über das gemeinsame Ziel: Künstlerinnen und Künstler aus 14 Donauländern werden in den nächsten zwei Jahren verborgenes und vergessenes kulturelles Erbe sichtbar machen („Hidden Spaces“) und damit die Grundlage für einen engagierten und zeitgemäßen Kultur-Tourismus an der bayerischen Donau schaffen.

 

Neue Wahrnehmungen

Bürgermeister Jürgen Huber freut sich darüber, dass die Donau als Länder und Kulturen verbindender Fluss an Symbolkraft gewinnt. „So kann Verständnis füreinander wachsen“, sagte er. PD Dr. Doris Gerstl, seit Anfang Mai Leiterin der Museen der Stadt Regensburg, erwartet neue Wahrnehmungen durch die künstlerischen Interventionen.

 

Experten für aktuelle Kunst in den Donauländern

Regina Hellwig-Schmid, Initiatorin der Donumenta skizzierte 15 Jahre Netzwerkarbeit in den Donauländern und erinnerte an die Donumenta-Länderfestivals zwischen 2003 und 2011 mit Ausstellungen, Performances, Lesungen, Konzerten und Diskussionen.

Die Zusammenarbeit mit Kuratorinnen und Kuratoren aus Museen und Forschungszentren für zeitgenössische Kunst dauert an. Das Archiv der Donumenta, das mehr als 15 Jahre Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg dokumentiert, ist seit 2012 am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung zugänglich.

 

Die andere Sicht von Künstlerinnen und Künstlern

Im EU-Projekt „Kulturplattform Donauraum“ setzt die Stadt Regensburg auf die Expertise der Donumenta. Um verborgenes und vergessenes kulturelles Erbe sichtbar zu machen, gründeten die Projektpartner das „Danube Art Lab“. Das Artist-in-Residence-Programm ist das Labor, in dem Künstlerinnen und Künstler aus allen Donauländern in Zukunft arbeiten werden. Das Artist-in-Residence-Programm startet im August 2017. „Aus der Distanz werden Dinge deutlicher sichtbar.“ Diese Erkenntnis sei grundlegend für die Bearbeitung der „Hidden Spaces“ im EU-Projekt.

Hans Simon-Pelanda, Historiker und 2. Vorsitzender des Donumenta e.V. nennt eine ganze Reihe von Orten und immateriellem Erbe an der bayerischen Donau. Für Regensburg nennt er das Peterskirchlein am Bahnhof, das Leben Johannes Keplers zwischen Regensburg, Linz und Prag. Die Aufgabe für Künstlerinnen und Künstler bestehe darin, Geschichte durch Interventionen zu erschließen: „Ich bin gespannt, was die Künstler finden werden.“

 

Neue Interpretation von Geschichte

Auf die Erschließung der „Hidden Spaces“ bezog sich auch Mona-Lisa-Chefredakteurin Sibylle Bassler in ihrer Keynote. Unter dem Titel „Der Donauraum: Altes und Neues – Verborgenes und Vergessenes“ berichtete sie aus Interviews, die sie in Bosnien führte, wo Massenvergewaltigungen während des Jugoslawienkriegs als Waffen eingesetzt wurden. „Der Krieg habe das Dunkelste, was Menschen tun können, hervorgebracht.“ Und doch gebe es bei aller Trauer etwas Versöhnliches. Um der Geschichte von Menschen mitten in Europa zu begegnen, gelte es „ausgetretene Pfade zu verlassen“. Die Kunst komme ohne Verletzungen aus und ermögliche neue Interpretationen von Geschichte und Gegenwart.

 

Schwimmende Skulptur als Wasserfahrzeug

Rainer Prohaska ist der Donumenta seit vielen Jahren im Geiste verbunden. Er lieferte dem Lead-Partner im EU-Projekt, dem Bundeskanzleramt Österreich, Sektion gaming group Kunst und Kultur, das Symbol für die „Kulturplattform Donauraum“. Mit seiner „MS Cargo“, einem Katamaran aus Donauzillen mit Verbindungen aus Ratschengurten und Kabelbindern, einem Hochsitz für neue Perspektiven auf den Fluss, einem Zelt, Gummikrokodilen und Planschbecken an Bord, erfand er ein Gefährt für ein neues Reiseerlebnis auf der Donau. Gäste und Ausrichter des Netzwerktreffens hatten Spaß, eine von Prohaskas eigens für Regensburg konstruierten schwimmenden Skulpturen am Donnerstag im Altwasser durch die Steinerne Brücke zu manövrieren.