Das Schaffen und Tun in seiner europäischen Leidenschaft zeigen, das wollte die saarländische Filmproduzentin Barbara Wackernagel-Jacobs, als sie im Sommer Regina Hellwig-Schmid bei ihrer Arbeit für die donumenta 2011 beobachtete. Von Regensburg ging es nach Belgrad, von da nach Madrid, und wieder nach Belgrad.
Andere Menschen leben ähnlich. Ihr Arbeitsalltag ist geprägt von einer europäischen Vision, vom europäischen Zukunftsgedanken und schließt alles ein: das Glück der Begegnung und des Gesprächs, der Entdeckung, aber auch den Frusts und die Erfahrung, auch manchmal alleine dazustehen. Insgesamt zehn von ihnen hat Wackernagel mit der Kamera portraitiert: außer der donumenta-Initiatorin den britischen Historiker Timothy Garton Ash, den ehemaligen tschechischen Präsidenten Václav Havel, den luxemburgischen Premierminister Jean-Claude Juncker oder die ehemalige griechische Außenministerin Dora Bakojannis. Regie führten David Spaeth und Lukas Schmid.
Am kommenden Dienstag, 13. Dezember, erlebt der Film "Europa Komplex. Über Krisen, Vielfalt und Zukunft" in Berlin seine Deutschlandpremiere. Ort des Geschehens: Die Landesvertretung des Saarlandes beim Bund, In den Ministergärten 4. Wer sich von dem Projekt anstecken lassen will, dem empfehlen wir die Website [www.europakomplex.eu].
Am kommenden Dienstag wird der Film um 18:00 Uhr erstmals in Berlin in Deutschland vorgestellt.
1.11.2011
Tanzgastspiel:
Dalija Acin, "Handle with great care"
[Dalija Acin] gilt als herausragende Vertreterin des zeitgenössischen Tanzes in Serbien. Sie lebt und choreografiert in Belgrad, wo sie auch die Organisation "Stanica – Service for Contemporary Dance" mitbegründete. Sie arbeitete unter anderem mit Isabelle Schad und Thomas Lehmen zusammen und war auf zahlreichen internationalen Festivals zu Gast.
Was passiert mit den Erinnerungen, den Bildern, Objekten und Figuren, die im ständigen Fluss der Realität in unserem Gedächtnis verbleiben? Dalija Aćin reduziert die Elemente des Theaters auf ein Minimum und macht sich die Fähigkeit unseres Gehirns zunutze, aus abstrakten Wahrnehmungsfragmenten vollständige Bilder zu imaginieren.
„Handle with great care" wurde 2008 mit dem „Prix Jardin d’Europe" – einem der höchst dotierten Preise auf dem Gebiet der zeitgenössischen Choreografie in ganz Europa – ausgezeichnet.
In Kooperation mit den Regensburger Tanztagen 2011.
Freitag, 4. November 2011 20:00 Uhr - Theater an der Universität, Universitätsstraße 31, Regensburg. Eintritt: AK 15 Euro, VVK 12 Euro, Studenten 10 Euro.
Tanzperformance Handle With Great Care. Foto: Dalija Acin
Handle with great care. Video by scena SCENA auf vimeo.com
1.11.2011
Clubnacht:
Jalla Worldmusic Club Party
Die Festival-Party: Arabic-Beats, Latin-Style, Afro-Club, Asian-Vibes und Balkan-Groove mit dem Global Fusion Soundsystem
Fernab aller konventionellen Party-Konzepte haben die DJs Dimitri und Rupen den [JALLA WORLDMUSIC CLUB] geschaffen. Diese Veranstaltung bietet eine besondere Mischung von Weltmusik und Clubkultur, wie sie aktuell in allen Großstädten Europas angesagt ist.
Begeisterte Musikfans lassen sich mitreißen und tanzen zu Ethnoklängen mit Clubcharakter: treibende Balkan-Beats, griechische Pop-Perlen, ausgewählter Arabic-Pop, Afrohouse und grooviger Latin, gepaart mit zeitgenössischem Clubsound, HipHop und Dancehall. Die Musikauswahl der Jalla-DJs bringt die Tanzflächen zum Kochen und macht die Veranstaltung zu einer der außergewöhnlichsten Clubnächte der Stadt. Im Jalla Club tanzen alle. Jeder, der mitfeiern will, ist willkommen.
Samstag, 5. November 21:00 Uhr Theatersaal Alte Mälzerei. Eintritt: AK 6 Euro, VVK 5 Euro.
Jalla World Music
26.10.2011
Brücken bauen - Bilanz des internationalen Donausymposiums
Knapp 40 Künstler, Kuratoren, Kulturvermittler und Wissenschaftler aus den 14 Ländern des Donaubeckens waren am Wochenende auf unserem Symposium "Donau - wohin? Die Zukunft einer Wiege europäischer Kultur" zu Gast.
Intensiv diskutiert wurde aus vielen verschiedenen Perspektiven die zukünftige Rolle von Kunst und Kultur im Donauraum. Ausgangspunkt war die erst vor wenigen Monaten von der Europäischen Kommission beschlossene EU-Donauraumstrategie. Das Ergebnis: Brücken müssen her, damit sich die Menschen begegnen und zusammen Kunst produzieren können. Künstler und Macher gilt es einzubeziehen, anstatt auf Großprojekte zu setzen. Aus der Vielfalt gemeinsam etwas aufzubauen, das die Kunst und Kultur und deren Kräfte zur Synergie und Begegnung ins Zentrum setzt, war der deutlich erkennbare Wille.
Donau-wohin Symposium 20.10.2011
Regina Hellwig-Schmid. Foto E. Gaudlitz
Donau-wohin Symposium 20.10.2011 Dr. Konrad Clewing, Südostinstitut.
Foto E. Gaudlitz
23.10.2011
Donnerstag: Dejan Jovanović spielt im Jazzclub
Dejan Jovanovic gilt als ein Meister am Akkordeon. Mit seiner Band spielt das Ausnahmetalent am kommenden Donnerstag, 27. Oktober 2011, um 20 Uhr im Jazzclub im Leeren Beutel.
Dejan Jovanovic könnte man auch als groovenden Musikforscher in den weiten Klangwelten Serbiens begreifen. Der 33-jährige Sohn einer Musikerfamilie ist ein hochausgebildeter Akkordeonist, der sich seit seiner Kindheit mit den Liedtraditionen und Stilistiken der Balkan- und Romamusik beschäftigt. Er besuchte das Musikgymnasium in Belgrad und studierte anschließend an der Musikhochschule "Hanns Eisler" in Berlin Klassisches Akkordeon. Seit kurzem versammelt er Musiker aus Griechenland und seiner Heimatstadt Obrenovac um sich und kreiert mit ihnen einen unvergleichlich warmen und hoch virtuosen Sound. Traditionelle Melodien aus Serbien, allen voran die der bei uns wenig bekannten Kolo-Tanzkultur, werden mit Jazz und eigenen Improvisationen angereichert und kreieren eine Musik, die einen tanzen lässt. Dem Kolo erschließt er auf diese Weise gekonnt ein neues Publikum.
DEJAN JOVANOVIC GYPSY BAND
Stojanka Stojanovic - vocals, Tasos Sav - guitar, Dejan Jovanovic – vocals/accordion, Dimitris Christidis – drums
In Kooperation mit dem Jazzclub Regensburg e.V.
Eintritt: AK 18 Euro, VVK 17 Euro, ermäßigt 16 Euro, Schüler, Studenten und Mitglieder donumenta e.V. und Jazzclub Regensburg e.V. 15 Euro.
Dejan Jovanović und Band; Foto: Asphalt Tango Production
12.10.2011
Von Katzen, Liebe und Verbrechen
Kinofans aufgepasst: Am 13. Oktober 2011, um 19:00 Uhr startet mit "Schwarze Katze, weißer Kater" und "Love and other Crimes" (21:15) die Filmwoche der donumenta 2011. Sieben Streifen junger serbischer Regisseure stehen auf dem Programm, das Doris Klein und Holger John für die donumenta 2011 kuratiert haben. Das Spektrum reicht vom Liebesfilm über das Road Movie bis zum Horrorstreifen.
Mehrmals wird Belgrad in einem Sog von Bildern zum Schauplatz der Geschichten, Gefühle und urbanen Gegenwarten – für Fans der Serbenmetropole ein Zeit und Ort vergessen machender, faszinierender Trip durch das New York des Balkans. Die vergangenen Kriege und der Nationalismus werden in den ausgewählten Filmen weniger zum Thema gemacht. Gleichwohl definieren sie Grundton und Ausgangspunkt des zum Teil wahnwitzig Erzählten.
Zur Eröffnung am 13. Oktober empfangen wir Starregisseur Stefan Arsenijevic im "Leeren Beutel". Alles Weitere und wertvolle Informationen über die einzelnen Filme im beiliegenden Programm.
Eine Entdeckung: Die politische Poetin Dragana Mladenovic
Es sind immer ein paar Wörter, aneinandergereiht, in wenigen Zeilen, untereinander, sie wiederholen sich, variieren, beziehen sich aufeinander. Eine Episode, eine Begegnung, ein Erlebtes wird schließlich in Bruchstücken erkennbar. "Zu Ende erzählt wird die Geschichte nicht," so die Literaturwissenschaftlerin Alida Bremer. Die ausgewiesene Kennerin der serbischen Literaturlandschaft stellte am vergangenen Wochenende im Rahmen der donumenta-Lesungen auch am Beispiel der jüngsten Neuerscheinung "Verwandtschaft" das beeindruckende Schaffen der jungen serbischen Autorin Dragana Mladenovic vor.
Wie SRETEN, dessen Werk ebenfalls Thema der Lesungen war (siehe Meldung vom 10.10.2011), denkt die Journalistin, Autorin, Essayistin und Poetin Mladenovic viel über die Form nach, die ihre Poetiken transportiert. Für das schmerzhafte Thema der unaufgearbeiteten kriegsverbrecherischen Vergangenheit in Serbien wählte Mladenovic das hermetisch abgeschlossene Gedicht, in dem sich nichtpoetische, sprachliche Äußerungen wie Sätze aus Polizeiverhören und Alltagsgesprächen mit vielen verschiedenen Stimmen mischen. Die Geschichte einer Familie, die einen Kriegsverbrecher bei sich versteckt, wird erkennbar, und doch nicht ausgesprochen. "Ich habe auf die Realität reagiert", berichtet die 34-Jährige auf die Frage Bremers, worauf sie beim Schreiben achte. "Es enthält alles, was mich bedrückt und was ich nicht mehr aushalte. Zu schreiben begonnen habe ich schließlich, als ich mir vorstellte, wie die vergewaltigten Frauen nach Den Haag zu Prozessen gefahren sind. Ich versuchte, mich in sie hineinzuversetzen. Das war dann der Auslöser." Satz für Satz las sie dann aus ihrer 70 Seiten starken Wortkomposition und danach war es still. Die Vergangenheit ist noch nicht zu Ende.
Wir empfehlen: Dragana Mladenovic, "Verwandtsschaft", Deutsche Erstausgabe Serbisch/Deutsch, übersetzt von Jelena Dabic, ca. 160 Seiten, Broschur, fadengeheftet, ISBN 978-3-902113-75-7
[Mehr Informationen zum Buch]
donumenta 2011 - Literaturmatinée 9.10.2011.
Dragana Mladenovic, Dr. Alida Bremer.
Foto P. Schmid-Fellerer
donumenta 2011 - Literaturmatinee 9.10.2011.
Fritz Barth, Dragana Mladenovic. Foto P. Schmid-Fellerer
10.10.2011
Der leere Platz: donumenta-Lesung ohne SRETEN
"Die donumenta ist aus dem Wunsch geboren, im Vertrauen auf die verbindende Kraft der Kunst zur gegenseitigen Verständigung auf dem europäischen Kontinent beizutragen. Kunst und Kultur ist das, was bleibt. Die Kunst ist unauslöschlich", sagte Festivalleiterin Regina Hellwig-Schmid gestern Vormittag eindringlich zu Beginn der Regensburger donumenta-Lesung in der Lesehalle der Stadtbücherei.
Auch dort war, wie bereits Freitagabend in Sulzbach-Rosenberg, dann doch ein Platz neben der angereisten Poetin Dragana Mladenovic schmerzhaft leer geblieben: jener von Sreten Ugricic, dessen Roman "An den unbekannten Helden" in Form einer absurden Groteske die Gründungsmythen dekonstruiert, auf denen der serbische Nationalismus gedeihen konnte.
Um die Sprengkraft seines fiktiven Romans wusste SRETEN, so sein Künstlername, von Anfang an und er lebt seitdem mit den Folgeerscheinungen: Sein 2011 auf Deutsch erschienenes Buch (Dittrich Verlag Berlin) wurde von der Literaturkritik in seinem Land ignoriert, nun forderte das serbische Kultusministerium von dem Leiter der serbischen Nationalbibliothek, nicht an den donumenta-Lesungen teilzunehmen - und machte ihn damit zum Bauernopfer:
Denn seit Wochen zürnt das serbische Kultusministerium der donumenta 2011 wegen der grafischen Darstellung Serbiens im Festivalkatalog. Gemäß der deutschen Rechtsauffassung findet sich dort die Abbildung Serbiens ohne das von Deutschland und vielen weiteren Ländern als Eigenstaat anerkannte Kososvo, welches Serbien immer noch zu seinem Staatsgebiet zählt. Die Drohung, das vereinbarte Festivalprogramm in Teilen in Frage zu stellen, hat das Ministerium nun kurzfristig wahr gemacht. Festivalleiterin Regina Hellwig-Schmid: "Ich bedauere dies von ganzem Herzen. Die donumenta ist ein Festival der Kunst und Kultur und steht insofern bedingungslos zu den eingeladenen Künstlern". SRETENS Werk war daher dennoch präsent: Der Regensburger Schauspieler Fritz Barth lieh den Texten seine Stimme und das Publikum dankte mit kräftigem Applaus.
Wir empfehlen: SRETEN, "An den unbekannten Helden", Roman, aus dem Serbischen von Maša Dabic, Dittrich Verlag Berlin, Frühjahr 2011
[Mehr Informationen zum Buch]
Lesung Literaturhaus Sulzbach Rosenberg.
Dragana Mladenovic.
Foto: Regina Hellwig-Schmid.
Dragana Mladenovic, Dr. Alida Bremer. Fritz Barth. Foto: Regina Hellwig-Schmid.
Schauspieler Fritz Barth, Dr. Alida Bremer,
Literatin Dragana Mladenovic.
Foto: Regina Hellwig-Schmid.
In Serbien findet eine neue Generation junger, kritischer Autoren mit herausragender Literatur Antworten auf eine Vergangenheit, die ihre Jugend unwiderruflich geprägt hat.
Dragana Mladenovics Gedichtband "Verwandtschaft" (dt. Edition Korrespondenzen Wien) ist ein aus fragmentarisch anmutenden Gedichten geschaffener Roman in Versen. Alida Bremer, die die beiden Autoren für die donumenta 2011 kuratiert hat, erläutert: "Indem sich die Autorin der Sprachen der Bürokratie, der Polizeiverhöre, der Alltagsgespräche oder der Zeitungsmeldungen bedient und sie auf Kernaussagen reduziert, schafft sie mit einem Minimum an Worten ein Maximum an Bedeutung."
Einen ebenso singulären Platz in der aktuellen serbischen Literaturlandschaft nimmt der 1961 geborene Erzähler, Romancier, Essayist, Konzeptkünstler, Astronom und Philosoph SRETEN alias Sreten Ugricic ein. Der in Montenegro geborene literarische Aktivist veröffentlichte seit 1997 zahlreiche Werke und gehörte zudem zwischen 2002 und 2008 der UNESCO-Kommission für Serbien und Montenegro an. Er reformierte in dieser Zeit die Serbische Nationalbibliothek, deren Direktor er seit 2001 ist. SRETENS jüngster Roman "An den unbekannten Helden" aus dem Jahr 2010 (Berlin: Dittrich Verlag, Edition Balkan) spielt meisterhaft-grotesk das schmerzhafte Thema der Zensur aus. Er selbst sagt unter anderem im Interview mit der Mittelbayerischen Zeitung am 3.9.2011 über sein Werk, er dekonstruiere in mehr oder weniger experimenteller Form die serbischen Gründungsmythen, vor allem die des "unbekannten Helden" auf denen der serbische Nationalismus gedeihen konnte. "Das sind jene Denkmäler, die sie im gesamten postsozialistischen Raum finden. In meinem Buch steigt einer dieser Helden von seinem Sockel und eilt bedrängten Widerständlern zu Hilfe, die sich gegen eine Diktatur wehren, die ich ganz klar in meiner eigenen Heimat angesiedelt habe."
So, 9.10.2011, 11 Uhr, Lesehalle der Stadtbücherei Regensburg, Haidplatz 8, 93047 Regensburg
Eintritt: 8€, erm. 6€, Schüler, Studenten 4€.
In Kooperation mit dem Amt für Weiterbildung, vhs der Stadt Regensburg und dem Literaturhaus Oberpfalz.
Dragana Mladenovic. Foto: Nebojsa Babic
SRETEN. Foto: Radovan Janjusevic
5.10.2011
Eine Vielfalt der Stile und Poetiken
Alida Bremer ist Literaturwissenschaftlerin, Kuratorin und Autorin und in all diesen Aufgaben könnte man sie auch als Kartografin bezeichnen, jener Literaturlandschaft in Süd- und Mittelosteuropa, die zunehmend ins Zentrum des Interesses rückt. Im donumenta-Interview berichtet Bremer von ihren Eindrücken und Entdeckungen.
Frau Bremer, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Literatur aus Mittel- und Südosteuropa. Was interessiert Sie daran besonders?
Diese Literaturen sind von einer Vielfalt der Stile und Poetiken gekennzeichnet, die erstaunlich ist und die sicher sowohl mit der Multikulturalität des Raumes wie auch mit den komplexen historischen und politischen Umständen, in welchen sie entstanden sind beziehungsweise entstehen, erklärt werden kann. Nur ein Beispiel: Auf den Krieg im ehemaligen Jugoslawien reagierten viele Autoren, doch da auch Journalisten viel darüber geschrieben haben und bisweilen ausgezeichnete Reportagen und politische Kommentare verfassten, ist die entscheidende Herausforderung für die Autoren nicht das Thema gewesen, sondern die Frage, wie sie dieses Thema behandeln können. Deshalb finden wir literarische Antworten auf diese Frage sowohl in einer verschlüsselten Lyrik, wie auch in konkreter Poesie, die aus Polizeiverhören und Radiomeldungen besteht, in Dramen voller schwarzem Humor genauso wie in tragischen oder grotesken Theaterstücken, in realistischen Erzählungen, Liebesromanen, Thrillern und Krimis, experimentellen Romanen, die sich von jeder linearen Erzählart verabschieden, oder Romanen, denen Western-Filme oder der film noir als Vorlage dient usw. Es ist zwar so, dass die politischen und historischen Umstände in dieser Region viel "Stoff" liefern, aber es kommt nicht nur auf diese (spannenden und bewegenden) Themen an, sondern auch auf ihre Verarbeitung.
Welche Chance sehen Sie als Kuratorin für Literatur für die donumenta für die serbische Literatur?
Die serbische Literatur ist durch einige herausragende zeitgenössische Autoren auch im deutschsprachigen Raum keine unbekannte: David Albahari, Biljana Srbljanovic, Bora Cosic oder Dragan Velikic etwa sind den Litraturkennern hierzulande vertraut. Dazu sind in diesem Jahr dank des Gastland-Auftritts in Leipzig einige neue Namen bekannt geworden: Goran Petrovic, SRETEN, Vladislav Bajac, Vladimir Pistalo, Dragana Mladenovic und andere. Es ist ein großer Vorteil, dass ausgerechnet in dem Jahr, in dem der serbischen Literatur in Leipzig viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde und in dem viele neuen Bücher erschienen sind, auch die donumenta zum Schwerpunkt Serbien stattfindet; das sorgt für die notwendige Nachhaltigkeit, denn trotz einiger bekannter Namen, die ich am Anfang erwähnt habe, ist die serbische Literatur genauso wie das Land Serbien noch zu entdecken.
Wo steht die Literatur Serbiens heute?
Es ist kein Geheimnis, dass Serbien ein Land in einer ausgesprochen komplexen zeitgenössischen gesellschaftlichen und politischen Situaiton ist. Zugleich wurde im Land vor allem im letzten Jahrhundert eine reiche Literaturtradition etabliert, auf der die heutige Literatur aufbauen kann. Sie ist von Pluralität und Kreativität gekennzeichnet, aber auch von dieser schwierigen Realität, in dem sich das Land befindet. Während einige Autoren genau diese Realität schildern und auf sie reagieren, wenden sich viele von ihr ab - und schreiben nicht weniger gelungene Utopien, historische Romane oder verschiedene experimentelle postmoderne Romane.
Freuen Sie sich auf Regensburg und die donumenta?
Ich freue mich sehr darauf! Regensburg ist eine schöne Stadt - eine der vielen schönen deutschen Städte, die ich entdeckt habe, denn in jenem Jugoslawien, in dem ich aufgwachsen bin, und auf das ich heute sehr kritisch zurückblicke, gab es viele Vorstellungen über Deutschland, die vermittelt wurden - das Land der Dichter und Denker und der alten, ehrwürdigen Universitäten, das Land der Technik und der Industrie, das Land der Gastarbeiter und des Geldes, das Land des Nationalsozialismus usw. - aber nicht das Land der Ideen und toller Kulturprojekte wie der donumenta und vor allem nicht das Land des Tourismus und der schönen Städte und Landschaften, und genau dieses Land habe ich für mich entdeckt, nicht zuletzt in Regensburg.
30.9.2011
Rock'n Roma
Sie haben sich in den Belgrader Vorstädten zusammengefunden und spielen die Musik ihrer Vorväter selbstbewusst in neuem, urbanen Gewand. Einflüsse aus Pop, Rock und Punk, Jazz und Blues, aber auch Klänge aus dem Orient, dem Tango oder dem Walzer sind unüberhörbar und lassen einen Mix aus Melodien und Rhythmen entstehen, der das elektrisierte Publikum nur so in den Tanz hinein treibt. KAL wurde also nicht umsonst zur weltweit erfolgreichsten Gypsyband Serbiens.
Bereits mit ihrem ersten gleichnamigen Album im Jahr 2006 schafften es die Musiker auf Platz eins der World Music Charts in Europa. Seitdem touren sie von Festival zu Festival um die halbe Welt. Die ganz in schwarz gekleideten jungen Herren an Gitarre, Violine, Kontrabass, Akkordeon oder Perkussion empfehlen ihrem tanzwütigen Publikum besonders halsbrecherische Stücke als "Rock 'n Roma". Dr. Thomas Rothschild schrieb: "Ihre Musik ist von hinreißender Schönheit, dazu noch witzig und dynamisch. (...) Man muss die Texte nicht verstehen, um zu ahnen, was für Geschichten in den Liedern erzählt werden".
Bandgründer Dragan Ristic liebt den charmanten "Shakehands" von modernem Selbstverständnis mit den Traditionen: "Ich bin eine urbane Person, Teil einer modernen Welt, gehe zu Raves und sehe die beste Möglichkeit, meine Kultur zu präsentieren, indem ich Traditionelles und Urbanes in meiner Musik mische".
Das Ausnahmekonzert beginnt um 20.00 Uhr im Jazzclub im Leeren Beutel, Bertoldstr. 9.
[KAL] sind: Dragan Ristić - vocals, guitar, Slavisa Pavlovic – bass, Boris Kostic – accordion, Milorad Jevremovic – violin, Aleksandar Maksem – drums, Aljosa Malek - sound
In Kooperation mit dem [Jazzclub Regensburg e.V.] Eintritt: AK 18 Euro, VVK 17 Euro, ermäßigt 16 Euro, Schüler, Studenten und Mitglieder donumenta e.V. und Jazzclub Regensburg e.V. 15 Euro.
Foto: Asphalt Tango Production
26.9.2011
Initiatorinnenführung
Sie kennt die Kunstszene Serbiens wie wenige andere in Deutschland: Regina Hellwig-Schmid, die Initiatorin und Festivalleiterin der donumenta 2011 – Serbien. Nächste Woche, Donnerstagabend, am 29.9. um 18:00 Uhr, führt sie höchstpersönlich durch die von Miroslav Karic kuratierte Schau aktueller Kunst aus Serbien in den Räumen des Kunstforums Ostdeutsche Galerie. Welchen Auftrag empfinden die jungen KünstlerInnen in Serbien, wie haben sie ihre Kunst zehn Jahre nach dem politischen Wandel entwickelt? Regina Hellwig-Schmid präsentiert die Stars der Szene und bietet wichtige Informationen, um die Kunst Serbiens international einordnen zu können.
Mehr Informationen zu Führungen im Rahmen der donumenta: [Programm]
25.9.2011
Empfehlenwert: Bücher über Belgrad und Serbien
Wie lässt sich die Geschichte Serbiens begreifen? Welche Rolle spielen welche Mythen und Traditionen und lässt sich über sie die jüngere Entwicklung des Landes erklären? Die donumenta hatte in dieser Woche Holm Sundhaussen von der Freien Universität Berlin sowie Annemarie Türk, die Leiterin von KulturKontakt Austria zu Gast in Regensburg.
Beide sind Verfasser beziehungsweise Herausgeber zweier Bücher, die wir dem donumenta-Publikum unbedingt ans Herz legen möchten.
"Briefe aus Belgrad. Nachrichten aus der weißen Stadt über zeitgenössische Kunst und Kultur" heißt der von Türk initiierte und herausgegebene Band, in dem sie 19 prominente Künstler aller Sparten über ihre Stadt zu Wort kommen lässt. Enstanden ist ein vielschichtige Bild einer europäischen Stadt, das viele noch nicht kennen. Turmtheater-Chef Martin Hofer hat uns zwei der Briefe – den des Filmemachers Goran Radovanovic und jenen der Poetin und Literaturwissenschaftlerin Dragana Mladenovic – auf herrliche Weise vorgelesen. Die enthaltenen Erfahrungen und erlebten Geschichten in der Stadt Belgrad, zu der es für viele Künstlerinnen und Künstler "keine Alternative gibt", wie Annemarie Türk berichtete, sind auf tief berührende Weise witzig und tragisch-komisch zugleich und offenbaren einen tiefen Einblick in Strategien des Lebens und Überlebens in der Serbenmetropole.
Wertvolle, vertiefende Überlegungen zum Verständnis der konfliktreichen Geschichte Serbiens stellte Tags darauf Holm Sundhaussen in seinem Vortrag vor. Seine Unterscheidung zwischen der Geschichte als Ergebnis eines intellektuellen, zu Erkenntnis führenden Prozesses, in dem Fakten und Fiktionen voneinander getrennt werden, und der Vergangenheit, in der dies nicht geschehe und die stattdessen einzelne Narrative produziere, wurde zur Grundlage dafür, die aktuellen Konflikte des Landes zu erklären. Wer mehr wissen möchte, dem empfehlen wir sein Buch "Geschichte Serbiens. 19. – 21. Jahrhundert".
19.9.2011
Heute und morgen: Buchvorstellung und Filmprogramm mit Goran Radovanović.
Goran Radovanovic war immer ein "Local", ein Künstler, der sein Material, seine Menschen und Geschichten quer durch die Zeitenwenden in Serbien gefunden hat. Grenzen, insbesondere Gattungsgrenzen, haben ihn nur insofern interessiert, als es darum ging, sie zu überwinden. Seit langem zählt er zu den erfolgreichsten Filmemachern Serbiens. Filmfestivals rund um den Globus zeigen seine Streifen, Auszeichnungen erhält er seit seinem Erstling 1988 mit dem Titel "Voigtlaender, 1896" und seit vielen Jahren ist er zudem Mitglied der Europäischen Filmakademie.
Die donumenta 2011 widmet Radovanovic gleich zwei Abende. Heute und morgen Abend präsentiert sie gemeinsam mit dem Regisseur im Südost-Institut in Raum 017 drei seiner besten Filme: "Second Circle" (1997), "Chicken Election" (2005) und "The Ambulance" (2009). Gekrönt wird das Treffen mit der Vorstellung der Sommer-Neuerscheinung "Briefe aus Belgrad", herausgegeben Annemarie Türk, Leiterin Kulturkontakt Austria. Der Eintritt ist jeweils frei.
Montag, 19.9.2011, 19 Uhr:
Second Circle (1997), 27 min. Im Mittelpunkt stehen drei Zigeunerfamilien. Radovanovic schildert über ihre Darstellung die, wir er schreibt, allerunterste Gsellschaftsschicht Serbiens. Hier geht es darum, dass die eine "eine Toilette hat, die andere nicht und die dritte sich eine zusammenbauen kann".
Chicken Election (2005), 48 min. Eine "lustige, traurige und sehr ironische Geschichte über Einsamkeit, Entvölkerung, Tod und den Tod vor dem Tod". Im Zentrum des Geschehens steht eine alte Frau aus dem ländlichen Balkan, die von ihrem Enkelsohn ein Handy geschenkt bekommt. Sie stirbt allerdings, bevor sie es benutzen kann...
Dienstag, 20.9.2011, 19 Uhr:Buchvorstellung und Filmprogramm.
The Ambulance (2009). Der Film porträtiert die dramatischen Veränderungen, die die serbische Gesellschaft vor und nach 2000 erlebte. Aufgehängt an drei Figuren, deren Lebensmomente sich miteinander verknüpfen, durchlebt der Zuschauer drei Zeitperioden, innerhalb derer ein System sich in ein neues verkehrte.
Goran Radovanovic - Chicken
19.9.2011
Künstler als Seismographen der Gesellschaft
Knapp 600 erfreute, entzückte, neugierige und zufriedene Menschen zählten die vier Vernissagen unserer Ausstellung "Views: Visions – skteches of Serbian art after 2000" in den vergangenen Tagen.
Samstagabend ging in der Galerie ArtAffair mitten in der Altstadt das Kommen und Gehen bis halb zwölf nachts. Auf helle Begeisterung stießen insbesondere Žolt Kovacs "Paintings of Superfluous Information". Seine kraftvollen und doppelbödigen Darstellungen etwa eines Skispringers, eines Zebras oder von Sängerinnen mit Mikrofon in der Hand in schwarzfarbener Stricheltechnik auf Aluminium gefielen den Besuchern besonders. Kultstatus besitzt auch der Grafik-Designer Slavimir Futro, dessen politische Wortbilder wie beispielsweise "Ignore" oder "Flags" viele Besucher ins Mark trafen und gleichzeitig viel Interpretationsspielraum ließen.
Auf den hohen Stellenwert der Kunst in der Gesellschaft wies Tags darauf Bürgermeister Joachim Wolbergs im letzten Akt des Eröffnungsreigens im Kunstforum Ostdeutsche Galerie hin. In einem außergewöhnichen Statement bedankte er sich ausdrücklich bei Festivalleiterin Regina Hellwig-Schmid nicht nur für den Glanz, den die donumenta mit ihren neun Länderfestivals und dank ihres Maßstäbe setzenden Engagements für die Völkerverständigung in die Stadt gebracht habe. Darüber hinaus fand er klare Worte für das hohe Potenzial der Kunst: "Künster sind Seismographen der Gesellschaft. Wir sollten ihn deswegen genau zuhören."
Eingetaucht ins "raue, echte" Belgrad: Gestern eröffnete
die Ausstellung BelgradeRaw
im
Donau-Einkaufszentrum
Mitten im Einkaufstempel Donau-Einkaufszentrum sind wir gestern durch sagenhaften Momentaufnahmen des Fotografenkollektivs [BelgradeRaw] in die Serbenmetropole Belgrad eingetaucht. Es sind Schnappschüsse, die Nemanja Kneževic, Darko Stanimirovic, Luka Kneževic-Strika, Andrej Filev und Milovan Milenkovic, mal mit der digitalen, mal mit der analogen Kamera in der Hand, der Serbischen Hauptstadt abringen: Ansichten von Straßenzügen, von Hauswänden, von Parks und Grünflächen, von Menschen in den unterschiedlichsten Situationen, allein oder in Interaktion mit anderen, wartend, häufig aber in Bewegung, im Bus, in der Straßenbahn, sitzend und stehend, unterwegs von einem Ort zum anderen.
"Ihr Blick", arbeitete Dr. Agnes Matthias, die neue Leiterin der Grafik-Sammlung des Kunstforum Ostdeutsche Galerie und Expertin der zeitgenössischen Fotografie, in ihrer konstruktiven Einführung heraus, "ist jedoch immer gezielt-gestalterisch." Die Motive sind angeschnitten: "Spiegelungen, Unschärfen und Reflexe transportieren den Eindruck des Beiläufigen, Zufälligen – nichts ist für die Kamera inszeniert. BelgradeRaw arbeitet mit einem erweiterten dokumentarischen Ansatz , mit dem eine subjektive Interpretation des Beobachteten visualisiert werden soll. Mit diesen Arbeiten fügt sich BelgradeRaw in die Tradition des Urbanen ein, in der eine Auseinanersetzung mit jenen Orten und Situationen, an denen städtische Kultur deutlich wird, stattfindet."
Einen besseren Ort als das Donau-Einkaufszentrum unter Geschäftsführer Thomas Zink hat sich die donumenta 2011 für diesen besonderen Teil der Ausstellung "Views:Visions – sketches of Serbian art after 2000" kaum aussuchen können. Regensburg meets Belgrad – das wird auch hier mitten im Einkaufstrubel in jedem Einzelnen, der sich in den offenen, weißen Ausstellungsraum begibt, Wirklichkeit. Wie aktuell die Ausstellung in ihrer Machart ist, kann der Besucher und Flaneur jenseits der Regensburger Altstadt in den nächsten Wochen erfahren: Das Fotografenkollektiv wird seine Ausstellung online erweitern. In einen abgedunkelten Raum neben der Fotoausstellung werden die nächsten Bilder, die die Künstler einfangen werden, aus Belgrad über das Internet eingespielt. Und wer Lust hat, eines davon oder eine der ausgestellten Fotografien käuflich zu erwerben, kann dies tun. Das freute das zahlreich erschienene Publikum, das zu den Beats von DJ/VJ Andrej Filev und Sync different.net aus Regensburg und vor einem herrlichen Büffet den zweiten Eröffnunsgabend der donumenta 2011 feierte.
Anschließend:
Session von DJ/VJ Andrej Filev von Belgrade Raw supported by the sync-different.NET (RGB)
Andrej Filev ist als Mitglied der renommierten serbischen Künstlergruppe Belgrade Raw nicht nur
mit seinen Fotografien des Belgrader Alltags im Donau-Einkaufszentrum vertreten, sondern gibt
im Anschluss an die Ausstellungseröffnung auch einen Einblick in seine elektronischen Musik- und
Lichtkompositionen als DJ und VJ. Unterstützt wird er von Cris Haste (liveact & dj) und Jakob
(visuals), die in Regensburg als the sync-different.NET bereits in mehreren Clubs aufgetreten sind
und das Publikum begeistert haben.
Begrüßung: Thomas Zink, Geschäftsführer Donau-Einkaufszentrum
Einführung: Dr. Agnes Matthias, Leiterin der Grafischen Sammlung
Kunstforum Ostdeutsche Galerie
Künstler: Nemanja Kneževic, Darko Stanimirovic,
Luka Kneževic-Strika, Andrej Filev, Milovan Milenkovic
Die Ausstellung läuft vom 17.9. – 1.10.2011.
Öffnungszeiten: Mo bis Sa 9.30 – 20.00 Uhr
BelgradeRaw - Andrej Filev
BelgradeWaw - Darko Stanimirović
16.9.2011
Eine "richtig gute Ausstellung": 237 Gäste bei der Eröffnung der donumenta 2011
237 Freunde, Kunstliebhaber, Sponsoren&Förderer, Künstler und Neugierige waren Donnerstag Abend bei der fulminanten Ausstellungeröffnung von "Views:Visions" in der Städtischen Galerie "Leerer Beutel" zugegen. Mit den Worten "Die Kunst ist angerichtet" hatte Festivalleiterin Regina Hellwig-Schmid die donumenta 2011 – Serbien eröffnet.
Großes Lob erhielt die von Miroslav Karic kuratierte Ausstellung "Views:Visions - skteches of Serbian art after 2000". Seine Bestandsaufnahme der aktuellen Kunst Serbiens seit 2000 sei einfach "richtig gut", wie vielfach zu hören war. Der charismatische junge Mitarbeiter der renommierten Belgrader REMONT GALLERY, die unter Leitung von Darka Radosavljevic nach der demokratischen Wende erstmals im Land ein Resümmé gewagt hatte, hat in die massiven Räume der Städtischen Galerie "Leerer Beutel" weiße Wände bauen lassen und auf diese Weise eine fast atmende, und dennoch entschiedene Bühne für verschiedene Narrative geschaffen, die sich aus der Kommunikation der einzelnen Werke in der Wahrnehmung des Betrachters untereinander ergeben.
Objekte, Malereien, Videos, Collagen und Settings zeigen das große Spektrum, in dem sich die flirrende, humorvolle, hintersinnige Kunst von Ana Adamovic, Zolt Kovac, Aleksandar Dimitrijevic, VacuumPack, Vladimir Nicolic,Nikola Dzafžo oder Uros Djuric sowie Newcomern wie Dubravka Sekulic oder Dusica Drazic bewegt. "Ich hoffe, dass die Ausstellung Sie nicht ohne Gefühle lässt und Sie mit großer Inspiration aus der aktuellen serbischen Kunstszene nach Hause gehen lässt", so Karic.
Zuvor: Feierliche Eröffnung der donumenta
in der Minoritenkirche
Schirmherrin Emilia Müller, Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, bezeichnete die donumenta 2011 – Serbien als "kulturelles Ereignis von europäischem Rang" und würdigte das Festival als Forum für Gegenwartskunst, das seinesgleichen suche. Das Engagement insbesondere von Festivalleiterin Regina Hellwig-Schmid für das seit 2003 existierende und jetzt zum Abschlus kommende Donau-Länderfestival sei vorbildlich und stehe ganz im Zeichen der europäischen Idee. Denn Europa und der Glaube daran werden von unten getragen, von jedem einzelnen Menschen, betonte die Staatsministerin.
Oberbürgermeister Hans Schaidinger, ebenfalls Schirmherr von Anbeginn, verwies auf die große Bedeutung der Kultur als das Verbindende von Menschen, wenn Unterschiede da seien. Er ging vor allem auf die Entstehungsgeschichte der donumenten und die sie tragenden Impulse ein, die in den 1990er Jahren in der Zeit der Balkankriege gründen. "Mit den donumenten kam die zeitgenössische Kunst aus den neun Donauländern nach Regensburg zurück", resümmierte Schaidinger.
Langjähriger Partner ist das Goethe-Institut, dessen Vertretungen entlang der Donau kontinuierlich mit der donumenta zusammenarbeiten, wie Generalsekretär Dr. Hans-Georg Knopp in seinem Grußwort ausführte. "Die donumenta will keine Antworten geben, sondern schafft etwas, was uns alle weiter fragen lässt. Das ist das Spannende an der Kunst", so zusammenfassend Initiatorin Hellwig-Schmid.
Kurator M. Karic eröffnet mit R. Hellwig-Schmid die Ausstellung im Leeren Beutel.
M. Karic, R. Hellwig-Schmid, Dr. R. Meyer
Staatsministerin E. Müller und R. Hellwig-Schmid
Dr. H-G Knopp, Staatsministerin E. Müller, Oberbürgermeister H. Schaidinger, R. Hellwig-Schmid
15.9.2011
Die donumenta 2011 wird heute eröffnet
Heute ist es soweit: Der mehrtägige Eröffnungsreigen der
donumenta 2011 mit Schwerpunkt auf der aktuellen Kunst
Serbiens beginnt heute Abend um 20:00 Uhr in der
Regensburger Minoritenkirche.
Knapp 50 Künstlerinnen und
Künstler verschiedenster Sparten werden in den folgenden
sechs Wochen ihre Werke, Performances und ästhetischen Positionen
in Regensburg einem kunstinteressierten Publikum vorstellen.
Die Visuelle Kunst steht gleich am Eröffnungsabend im Zentrum
des Interesses. Um 21:30 Uhr findet die Vernissage der Ausstellung
"Views:Visions – skteches of Serbian art after 2000" in der Städischen
Galerie "Leerer Beutel" statt. Werke von Newcommern aus der jungen
serbischen Kunstszene wie Dubravka Sekulic oder Dusica Drazic und
etablierten Künstlern wie Ana Adamovic, Vladimir Nicolic,
Uros Duric und Nikola Dzafo werden ebenso zu entdecken sein
wie eine Videocompilation.
Insgesamt hat Kurator Miroslav Karic
im "Leeren Beutel" zwölf Positionen ineinandergefügt. Fast nochmals
so viele von Szenenstars wie Milica Tomic, Ivan Grubanov, Sinisa Ilic, Dorijan Kolundzija oder
Aleksandar Dimitrijevic komplettieren die Ausstellung im Kunstforum
Ostdeutsche Galerie, der Galerie ArtAffair und im öffentlichen Raum.
Mehr dazu aber in den nächsten Tagen.
A propos: Wer Hasenschätze
(Souvenirs, Spielzeug etc.) abgeben möchte, darf sie gerne zur Ausstellungseröffnung mitbringen und
Nikola Dzafo für sein Hasenmuseum überreichen...
25.8.2011
Neue Perspektiven durch's Reisen.
Im Gespräch mit dem Kurator der donumenta 2011 Miroslav Karic
Miroslav Karic zählt zu den erfolgreichsten Kuratoren zeitgenössischer Kunst in Serbien. Seit gut einem Jahr befasst sich der 36-Jährige Mitarbeiter der renommierten REMONT-Galerie in Belgrad mit der Konzeptentwicklung für die Ausstellung "Views:Visions "der donumenta 2011 in Regensburg. Nach seinem letzten Kurzbesuch Ende Juni in Regensburg führte Alexandra Karabelas ein Interview per Mail mit ihm.
Hallo, Herr Karić, erinnern sie sich noch an Ihren ersten Besuch in Regensburg? Sind Sie viel durch die Stadt gegangen oder haben Sie sich eher Orte zum Verweilen und Nachdenken gesucht?
In jeder fremden Stadt versuche ich, so viel wie möglich herumzugehen. Das ist, finde ich, der beste Weg, um den Rhythmus und die Energie einer Stadt zu fühlen. Natürlich ist es von Zeit zu Zeit gut, eine Pause zu machen, sich hinzusetzen, zu relaxen, seine Gedanken zu sammeln und einfach nur die Leute zu beobachten. Einer der schönsten Momente für mich ist es, wenn man in einer anderen Stadt aufwacht, die Augen öffnet und eine völlig andere Perspektive sieht als diejenige, an die man gewöhnt ist. Ich war zweimal in Regensburg und ich muss zugeben, dass ich es wirklich genossen habe, bei langen Spaziergängen besonders Kunsträume und Parks zu besuchen.
Sie leben als Kurator in Belgrad, einer Millionenstadt mit viel Verkehr, großen Plätzen und Orten, an denen immer noch Einschläge der Bombardierung von 1998 zu sehen sind. Mit welchen Gefühlen sind Sie durch Regensburg gegangen?
Belgrad ist wie alle Großstädte: sehr dynamisch im Alltag und im Nachtleben, ermüdend, bedrückend, immer auf „Speed“. Die Aufenthalte in Regensburg waren daher kleine Atempausen, aber auch eine Gelegenheit, mir das serbische und euer Kunstschaffen anzusehen und miteinander zu vergleichen. Natürlich habe ich die Chance wahrgenommen, meine Gedanken zu ordnen und mich auf die kommende Ausstellung in Regensburg zu konzentrieren.
Die Regensburger donumenta-Ausstellung „Views:Visions“ wird sich auf mehrere Orte und Räume erstrecken. Inwieweit haben Erscheinungsbild und Stadtstruktur von Regensburg Ihr Ausstellungskonzept beeinflusst?
Ich muss zugeben, dass mich das Konzept der donumenta sehr inspiriert hat. Seit zehn Jahren widmet sich das Festival der Vorstellung und Förderung künstlerischer und kultureller Szenen der Donauregion. Durch die Integration vieler Künstler hat die donumenta verschiedene Blickwinkel und Visionen unterschiedlicher Themen vorgestellt, die sich auf das gegenwärtige Leben beziehen. Ein sehr inspirierendes Wort im diesjährigen Konzept ist daher der Begriff der „Perspektive”. Er ist auch Teil des Grundgedankens der donumenta. Hier wie dort zielt er auf Kooperation, kulturellen Austausch und die Vernetzung von Künstlern, Szenen und Ländern. Bei meiner ersten Begegnung mit den Ausstellungsorten in Regensburg (besonders den historischen Gebäuden) war mir sofort klar, dass ich beim Aufbau der Ausstellung vor vielen Herausforderungen stehen werde. Die Orte sind fantastisch, stark genug in ihrer Erscheinungsweise und sie stellen einen vor die nicht sehr einfache Aufgabe, über sie nachzudenken und die auftretenden Probleme im Kontext der Präsentation zeitgenössischer visueller Inhalte zu lösen. Aber ich habe es wirklich genossen, über die Konzepte für diese Räume nachzudenken, und für mich ist das einer der schönsten Momente im Prozess des Ausstellungsmachens.
Der Titel der Ausstellung lautet: „Views: Visions“: Welche Bedeutung hat der Titel für Sie innerhalb der letzten zwei Tage, die Sie hier verbracht haben, erhalten?
Er hat die Bedeutung, die er bereits von Anfang an für mich hatte, bestätigt. Er ist weit genug und gleichzeitig für jedermann verständlich. Die Welt besteht aus einer Vielzahl von Sichtweisen; die Vorstellung einer Sichtweise bedeutet nicht den Ausschluss anderer. Ganz im Gegenteil: Sie hat Kommunikation zufolge durch Identifikation, Konfrontation, Adaption oder Wandel. Eine Perspektive im Sinne einer Sichtweise zu haben, bleibt die treibende Kraft und der Antrieb, wenn wir über Zukunft sprechen. Ohne sie ist schlichtweg kein Fortschritt in der Gesellschaft möglich: Verständnis füreinander, Toleranz im Umgang miteinander sowie Fürsorge in der Gemeinschaft sind nur perspektivisch möglich. Schaut ein Künstler auf die Welt, bringen seine Visionen den so sehr gebrauchten „neuen und frischen Blick auf die Welt“ mit sich. Ohne diese einzigartige Perspektive kann ich mir nicht vorstellen, welches Leben wir führen würden.
Das Konzept der donumenta beinhaltet die Vorstellung der Donau als einen Fluss, der die Menschen verbindet.Wie narrativ ist die Donau, wenn Sie sie in Belgrad betrachten?
Flüsse spielen in der Menschheitsgeschichte eine wichtige Rolle in der Kommunikation und Vernetzung, vor allem so lange Flüsse wie die Donau, die sowohl historisch als auch strategisch, militärisch und wirtschaftlich von Bedeutung waren und sind. Wenn ich an die Macht der Flüsse denke, kommt mir immer das schöne Projekt „Flüssesammlung“ der Belgrader Künstlerin Vera Stevanović in den Sinn. Sie begann 1992 mit dem Projekt und widmete es vorrangig dem Gedanken, dass ein Fluss Leben bedeutet. Über viele Jahre hinweg brachten Menschen aus der ganzen Welt Flusswasser in Flaschen zu den Künstlern und bauten so ein interessantes Netzwerk aus Orten, Leuten, Schicksalen und Leben auf. Wie die Künstlerin selbst sagt: Wasser verbindet alles und jeden... das Leben.
Eine gemeine Frage: Welchen Platz oder welche Straße aus Belgrad würden Sie nach Regensburg bringen, weil Regensburg sie benötigen würde?
Wenn ich im Ausland bin, muss ich zugeben, dass ich nicht dieser Art von Nostalgie anheim falle, und einfach etwas aus meiner Umgebung furchtbar vermisse. Ich vermisse einige Menschen, aber keine Orte. In jeder neuen Stadt versuche ich, meinen Lieblingsplatz zu finden. In Regensburg sind das definitiv Gärten oder Restaurants in schönen Parks.
Was denken Sie: Wenn Sie hier in Regensburg leben würden, würden Sie nach Belgrad gehen wollen?
Natürlich würde ich nach Belgrad gehen wollen. Ich reise sehr gerne und glaube, dass das Reisen notwendig ist, sozusagen als wichtiger Bestandteil im Reifeprozess jedes Menschen. Leider hatte mein Land jahrzehntelang unter Sanktionen zu leiden, und die fehlende Möglichkeit, frei zu reisen, hatte besonders auf die jüngeren Leute nachhaltige Auswirkungen.Der Entzug der Reisefreiheit, die damit verbundene Isolation und die Tatsache, an einem Ort festzusitzen, konnte zu einem Mangel an Verständnis für das Fremde, zu Fremdenfeindlichkeit führen. Ich muss hinzufügen, dass sich das heute ändert und dass die Abschaffung der Visumspflicht und die Möglichkeit, frei durch Europa zu reisen, zu den wichtigsten Ereignissen gehören, die der serbischen Gesellschaft kürzlich widerfahren sind.
Ein Feature über Miroslav Karić finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Kulturjournals Regensburg [www.kulturjournal.de]
Miroslav Karic Foto P. Schmid-Fellerer
15.7.2011
Angekommen: die Stipendiaten der donumenta -2011 Aleksandar Dimitrijevic und Ivan Petrovic
Die donumenta funktioniert wie ein Netzwerk: Einer der wichtigen Knotenpunkte ist das [Internationale Künstlerhaus in Schwandorf]. Es wird jährlich zur Residenz für zwei ausgewählte Künstler des Gastlandes. In diesem Jahr reisen aus Serbien Aleksandar Dimitrijević und Ivan Petrović an. Beide werden vier Wochen lang in der beschaulichen Ruhe der Oberpfalz an neuen Werken arbeiten können.
Ivan Petrović, geboren 1973, überzeugt die donumenta aufgrund seines radikal dokumentarischen Ansatzes in der Fotografie. Von dort aus gelangte er zu einer spannenden und berührenden Position des „Readymades“. Er machte unter anderem mit seiner Serie von Aufnahmen in Schutzbunkern auf sich aufmerksam, die er in Schwandorf weiterentwickeln möchte.
Aleksandar Dimitrijevć, geboren 1978, hat seine Grundlage in der klassischen Malerei. Durch eine konsequente Bearbeitung mit allgemein bekannten Zeichen, über die in der Gesellschaft Machtverhältnisse definiert werden, werden seine Gemälde und Zeichnungen zu markanten Tableaux eines Künstlers, der ohne Scheu Stellung bezieht. Regina Hellwig-Schmid freut sich gemeinsam mit Heiner Riepl, Leiter des Künstlerhauses, über die Ankunft der beiden: „Stipendien schaffen Erleichterung und Freiraum. Die Künstlerförderung ist mir eine Herzensangelegenheit“.
30.6.2011
Eine authentische Kunst- und Kulturszene.
Gestern veranstaltete die donumenta 2011 mit Dragan Velikic ihren Auftakt
Endlich war es soweit: In der Lesehalle der Regensburger Stadtbücherei gestaltete die donumenta 2011 ihren Auftakt. Am Lesetisch in nächster Nähe zum Publikum im vollbesetzten Raum: Dragan Velikic, ein unersättlicher Beobachter und Fabulierer über Leben und Wirklichkeit in Serbien, insbesondere in Belgrad, seiner Heimatstadt.
Der in Pula aufgewachsene Autor und Romancier hat dabei ein ambivalentes Verhältnis zur Balkan-Metropole. "Aber so ist jede große Liebe. Sie pendelt zwischen Leidenschaft und Momenten der Ablehnung", so Velikic, der viele Jahre seiner Kindheit in Istrien verbracht hat und erst als Student wieder nach Belgrad zurückkehrte. "Belgrad kam mir immer vor wie ein Filmstudio mit unbegrenzten Möglichkeiten". Immer wieder erzählte er von seinen Beobachtungen in der Stadt, wie er ihren Denkprozessen und ihrer Mentalität nachspürt, ihre Eingeweide auf seinen Gängen durch die Straßen abhört.
Es sei am Ende der Magen, der über den Verlauf von Geschichte entscheide, zitierte er aus seinem großartigen Roman "Das russische Fenster", aus dem er mehrere Passagen vortrug. Als Ort der Kunst hat ihn Belgrad immer überzeugt. "Auch in den dunkelsten Jahren der Miloševic-Ära hatte Serbien eine authentische Kunst- und Kulturszene. Ob es Robert Wilson mit seiner Oper 'Einstein on the Beach' oder andere neueste Produktionen an internationalen Theatern in Europa waren. Belgrad war oftmals nach dem Uraufführungsort die zweite Stadt, in der Theater der Avantgarde zu erleben war. Sein seit über vierzig Jahren existierendes Theaterfestival BITEF ist ein internationales Ereignis".
Großen Raum im anschließenden lebhaften Gespräch nahm Velikics Zeit als Botschafter Serbiens in Österreich ein. Vier Jahre lang, von 2005 bis 2009, war er vom Schriftsteller in die Rolle des Repräsentanten des neuen Serbiens geschlüpft und gab seinen Blick als Künstler dabei nie auf. Heute sei er wieder Herr über seine Zeit, sagte er verschmitzt und entschwand nach über zwei Stunden in der Abenddämmerung der Altstadt, weiter über Serbien und Belgrad und den spezifischen Humor der Stadt parlierend.
Dragan
Velikić. Foto: Nebojsa Babic
22.6.2011
In der Stadt: Mit Miroslav Karic und Dragan Velikic läuft sich die donumenta 2011 warm
Am kommenden Montag, 27. Juni 2011, und Dienstag, 28. Juni, macht Miroslav Karic von der renommierten REMONT-Galerie in Belgrad in Regensburg seine Gänge durch die Stadt und stellt der Presse erstmals sein Ausstellungskonzept vor.
Der 35-jährige Kurator arbeitet seit vielen Jahren für die Belgrader Institution und erinnert sich an die große Zeit des aufatmenden politischen Wechsels in Serbien vor zehn Jahren: "Nach 2000 wurde der Begriff der Perspektive zum klaren Signal dafür, dass Serbien seine Bestimmung innerhalb der europäischen Integration finden sollte. Darüber wurden jedoch fast die sozialen Erfordernisse in der Gegenwart sowie die Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit vergessen. Als eine der ersten Galerien vor Ort hatten wir 2001 unter dem Titel 'Remont Review' die Kunstentwicklung in den schwierigen 1990er-Jahren zum Thema einer Ausstellung gemacht. Die donumenta-Ausstellung jetzt zehn Jahre später im Jahr 2011 in Regensburg schließt nahtlos daran an."
Er freut sich auf die große Schau in Regensburg, denn: "Das Kunstwerk als Ergebnis ästhetischer Wahrnehmung kann in Serbien immer auch als Substrat, Spiegel und Signal politischer und gesellschaftlicher Gegenwarts- und Zukunftsbilder betrachtet werden". Einen Tag später ist Dragan Velikic, hochgelobter Romancier, Essayist und Journalist, zum Auftakt der donumenta zu Gast in der Lesehalle der Stadtbücherei.
Kurator
Miroslav Karic, Initiatorin Regina Hellwig-Schmid. Foto: Schmid-Fellerer.
12.5.2011
Leben und Schreiben in Belgrad.
Der virtuose Romancier und Journalist
Dragan Velikic liest und spricht über seine Heimat
Er wird gefeiert als "souveräner Kompositeur", der ein betörendes, postmodern funktionierendes
Bilder-Buch zu schaffen vermag: Dragan Velikic, 1953 in Belgrad geboren, wird, wenn man so will, die Preview zur donumenta 2011
gestalten: Ein Treffen mit dem Herrn ist angesagt am 29. Juni um 19:00 Uhr, und einen idealeren Einstieg in das Kunst- und Kulturschaffen des
letzten Donauanrainer-Staates auf der Liste der donumenta kann man sich als zukünftiger Festivalbesucher nicht vorstellen.
Velikic, der perfekt Deutsch spricht, erlebte die schwierigen Jahre der Jugoslawien-Kriege in den 1990er Jahren inmitten seiner Heimatstadt als Journalist. Er schrieb für eine regimekritische Wochenzeitschrift und wechselte dann zum Verlag ´B92´, wo er Chefredakteur des gleichnamigen legendären Anti-Milošević-Radiosenders wurde. Nach der Bombardierung Belgrads im Frühjahr 1999 lebte er abwechselnd in Berlin, Wien und Budapest. 2005 wurde er serbischer Botschafter in Österreich, wo er bis 2009 seiner im Aufbruch und neue Perspektiven entwickelnden Heimat Gesicht und Stimme verlieh.
Seine Zeitzeugenschaft und seine erzwungenen Wanderbewegungen durch Europa und immer wieder zurück in die verletzte serbische Heimat lässt der 58-Jährige seit vielen Jahren in ein europaweit hochgelobtes literarisches Werk einfließen. Seinen jüngsten Roman [Das russische Fenster] wird er in Regensburg vorstellen - und die Zuhörer mitnehmen auf eine Suche nach sich selbst mitten in den Kriegsereignissen der 1990er Jahre.
Die Auftaktveranstaltung der donumenta 2011 mit Dragan Velikic findet im Lesesaal der Stadtbücherei Regensburg, Haidplatz 8, 93047 Regensburg, statt.
Dragan Velikić: Das russische Fenster. Foto: Verlag
15.03.2011
Literaturrecherche auf der Leipziger Buchmesse
Die literarische Spurensuche ist ein zentrales Anliegen der donumenta. Wichtiger Impulsgeber hierfür ist seit jeher die Leipziger Buchmesse. Zu Gast dort ist aktuell Regina Hellwig-Schmid:
Auf Einladung des serbischen Kulturministers Nebojša Bradic (Schirmherr der donumenta 2011 – Serbien) wird die donumenta-Initiatorin am offiziellen Eröffnungstag der Leipziger Buchmesse, dem 17. März 2011, um 16.50 Uhr das donumenta-Festival als kunstpolitische Strategie innerhalb der Donaukooperation vorstellen. Unter dem Motto der Veranstaltung "Serbia goes international" wird sie das europaweite Netzwerk der donumenta künstlerischer Kollaboration und Kooperation darstellen und wichtige Eckpunkte aus der aktuellen Zusammenarbeit mit Kunstakteuren in Serbien benennen.
Regina Hellwig-Schmid: "Ich freue mich sehr, dass in diesem Jahr Serbien auch das Schwerpunktland der Buchmesse in Leipzig ist. Sehr viele Texte serbischer Autoren wurden anlässlich dieser Sonderschau übersetzt, und so können wir auch für die donumenta 2011, die in diesem Jahr ebenfalls der aktuellen Kunst aus Serbien Raum schenkt, aus dem Vollen schöpfen."
Kuratorenteam für die donumenta 2011 - Serbien steht fest
Miroslav Karić, Kurator der renommierten REMONT Galerie in Belgrad, und Mia David, Direktorin des Kulturzentrums Belgrad, bilden das Team, das zusammen mit der donumenta-Initiatorin und Projektleiterin Regina Hellwig-Schmid das Ausstellungskonzept und Kulturprogramm der donumenta 2011 auf die Beine stellt. Karić, 1975 geboren, gilt als einer der besten Kenner der jungen zeitgenössischen Kunst Serbiens. David, promovierte Architektin, steht als eine der jüngsten Direktorinnen einer führenden serbischen Kulturinstitution vor und setzt in dieser Position wichtige Akzente in der Kommunikation aktuell vitaler Diskurse und Tendenzen in den Kunst- und Kulturszenen Serbiens. Kurz vor Weihnachten fanden sich Miroslav Karić, Mia David und Regina Hellwig-Schmid für mehrere Tage in Belgrad zusammen und besuchten mehrere KünstlerInnen, die in Belgrad ihren Schaffensort haben, so die erfolgreiche und weltweit bekannte Malerin Biljana Djurdjević oder den Fotokünstler Ivan Petrović, auf die man sich in Regensburg freuen darf. Die donumenta 2011 – Serbien startet am 15. September 2011. Während einer Dauer von sieben Wochen bietet das Internationale Festival bis 4. November 2011 einen genauen Blick auf das aktuelle Kunstschaffen der Republik Serbien.