Berkan Karpat August/September/Oktober 2019

Berkan Karpat, in Istanbul geboren und in München aufgewachsen, changiert als bildender und darstellender Künstler zwischen Wissenschaft und Technik, zwischen Orient und Okzident. Seine Werke zeigen eine poetische Bilderwelt, die Grenzen sprengt, unmittelbar sinnlich und nachhaltig anregend wirkt.

Viele seiner Arbeiten wie „tanzende der elektrik“ am Odeonsplatz oder „Mariens Woyzeck Ghaselen“ auf der Großhesseloher Brücke in Pullach fanden mit großem Erfolg im öffentlichen Raum statt. International beteiligte sich der Künstler an renommierten Festival wie dem CyberArts-Festival in Boston/USA, Louvre Paris/F. Berkan Karpat veröffentlichte Gedichtbände, u.a. zusammen mit dem Autor Zafer Şenocak. Von 2010 bis 2013 arbeitete er mit Münchner Schülern am Modellprojekt TheoPrax der TU München. 2009 bis 2011 leitete er zusammen mit den Lyrikerinnen Karin Fellner und Andrea Heuser die Veranstaltungsreihe LYRIKOASE im Alten Hof München. Seit Oktober 2018 ist er der Präsident des Künstlerverbundes im Haus der Kunst.

Berkan Karpat: High-Tech-Mystiker im Kunsttunnel

Interaktiv und interdisziplinär
Im donumenta ART LAB Gleis 1 wirkt Kunst in die Lebenswelt der Menschen hinein. Die raumgreifende Licht- und Klanginstallation des Künstlers Berkan Karpat thematisiert die Ästhetik des Korans. Besucher*innen erfahren in der Ausstellung wie Hören zu Fühlen wird. Der Titel der Ausstellung: IQRA – Koranische Installation / Interaktion (biochemisch) Licht- und Klangwerk. „Iqra“ ( إقْرَ ) ist arabisch und heißt „Rezitiere!“ oder „Trage vor!“. „Iqra“ ist das erste Wort der ersten Koransure. Ihr widmet Berkan Karpat seine interaktive Installation.

Spagat zwischen Kunst und Wissenschaft
Mit seinen Arbeiten schafft Berkan Karpat den Spagat zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen High-Tech und Poesie. Seine großformatigen performativen Skulpturen sind als dreidimensionale, begehbare Gedichte bezeichnet worden. Eine Jury der Landeshauptstadt München formulierte: „Seine Ästhetik ist dabei eine der radikalsten (...), die es in der Kunstszene zu entdecken gibt und lässt traditionelle Ästhetiken und Rezeptions-mechanismen weit hinter sich.“

Cyberphysical Art
Immer wieder Thema in Karpats Arbeiten: Das Wechselspiel zwischen Werk und menschlichem Körper, zwischen Kunstwerk und Rezipient. Der Künstler nennt das Cyberphysical Art, wenn seine Werke die Blut- und Hormonwerte von Ausstellungsbesucher*innen verändern. Berkan Karpat generiert so eine radikale Form der Intimität, die im Extremfall das Kunstwerk ins Innere des Betrachters verlegt und so die Grenzen zwischen Rezipient und Schöpfer verschwinden lässt.

Der Koran – Iqra ( إقْرَ ‚Rezitiere!')
Seit einigen Jahren beschäftigt sich der Künstler mit dem Koran. Jahrhundertelang galt der Koran auch als ästhetisches Manifest, ganz besonders im Hinblick auf seine Rezitation und Kalligrafie. Heute scheint dieser Aspekt des Korans sowohl im Osten als auch im Westen in Vergessenheit geraten zu sein und taucht allenfalls in traditionellen Formen wieder auf. In Zeiten, in denen Religion als Waffe gebraucht wird, liest Karpat den Koran wieder als ästhetisches Manifest und entwickelt dafür eine zeitgemäße künstlerische Sprache. „Ich glaube, dass ein neuer Zugang zur Ästhetik des Korans möglich ist, wenn wir seiner poetischen Kraft zuhören (...). Die Brücke, die man (...) über das Hören beschreitet, ist dabei so dünn wie ein Haar und so scharf wie ein Schwert“, sagt Berkan Karpat.

Den Klang spüren
Ein wesentlicher Aspekt des Korans ist sein Klang. Das Buch ist vielmehr Vortrags- denn Lesetext. Sinn und Bedeutung erfüllen sich im Vortrag. In seinem für Regensburg konzipierten Werk IQRA rezitiert das Wasser den Koran – und das in doppeltem Sinne. Die Rezitation vollzieht sich zum einen in der Skulptur Berkan Karpats und zum anderen im Körper der Ausstellungsbesucher*innen, der selbst zum großen Teil aus Wasser besteht.

Technik und Poesie
Ein Exemplar des Koran, eingeschlossen in einem kubischen Wasserbehälter, beeinflusst die Struktur des ihn umgebenden Wassers und damit auch sein Frequenzspektrum. In einer Abfolge von Sinustönen flüstern Koransuren den Betrachter*innen durch das Medium Wasser ihre Melodie zu, ein Koranrezitativ, in dem Wissenschaft und Technik mit Poesie und Mystik verschmelzen.

Berkan Karpat
Der Künstler ist in Istanbul geboren und in München aufgewachsen. Als Bildender und darstellender Künstler chanchiert er zwischen Wissenschaft und Technik, Orient und Okzident. Seine Werke zeigen eine poetische Bilderwelt, die Grenzen sprengt, unmittelbar sinnlich und nachhaltig anregend wirkt.
Viele seiner Arbeiten wie "tanzende der elektrik" am Odeonsplatz oder Mariens Woyzeck Ghaselen" auf der Großhessloher Brücke in Pullach fanden mit großem Erfolg im öffentlichen Raum statt.

International beteiligte sich der Künstler an renommierten Festivals wie dem CyberArts-Festival in Boston / USA, dem Festival „sequences“ in Reykjavik / Island und in der Hagia Sofia, Istanbul / Türkei. Für das Düsseldorfer Museum „kunst palast“ gestaltete er die Islam-Ausstellung „ich esse licht“. Für gemeinsame Forschungsprojekte und Workshops folgte Berkan den Einladungen internationaler Universitäten und Museen, u.a. Université du Québec à Montréal in Kanada, Massachusetts College of Art, Boston / USA, Hyper-Studio, M.I.T. Cambridge / USA, Louvre Paris / F. Berkan Karpat veröffentlichte Gedichtbände, u.a. zusammen mit dem Autor Zafer Şenocak. Von 2010 bis 2013 arbeitete er mit Münchner Schülern am Modellprojekt TheoPrax der TU München.2009 bis 2011 leitete er zusammen mit den Lyrikerinnen Karin Fellner und Andrea Heuser die Veranstaltungsreihe LYRIKOASE im Alten Hof München. Seit Oktober 2018 ist er Präsident es Künstlerverbundes im Haus der Kunst in München.