02.10.2015

Die donumenta leistet mit der Ausstellung „14 x 14“ in Bulgarien einen wichtigen Beitrag für die Kunst- und Kulturszene

Noch zwei Wochen, bis Samstag, 10. Oktober 2015, zeigt die donumenta im Elias Canetti-Haus in der bulgarischen Stadt Ruse ihre Ausstellung „14 x 14 – Vermessung des Donauraumes. – Momentaufnahmen“. Am 03. November wandert das Konvolut großformatiger Fotoarbeiten aus dem Donauraum in die bulgarische Hauptstadt Sofia, wo es im „The Red House – Centre For Culture And Debate“ präsentiert werden wird. Im Doppelinterview sprechen die Vorsitzende der Elias Canetti-Gesellschaft in Ruse, Prof. Penka Angelova, und Regina Hellwig-Schmid, künstlerische Leiterin der donumenta, über ihre Erwartungen an die Ausstellungen im EU-Mitgliedstaat Bulgarien.

donumenta in Ruse

donumenta in Ruse

donumenta in Ruse

donumenta in Ruse

donumenta in Ruse

donumenta in Ruse

Prof. Angelova, welche Bedeutung messen Sie der donumenta-Ausstellung “14 x 1 4“ im Elias Canetti-Haus bei?

Penka Angelova: Die donumenta bringt Internationalität und „andere“ Kunst nach Ruse. Diese Ausstellung mit ihren international renommierten Künstlerinnen und Künstlern stellt insofern einen wichtigen Beitrag für die ansässige Kunst- und Kulturszene dar, die mehrheitlich doch von Künstlern der Region geprägt ist. Die Besucher erfahren, wie Künstler aus anderen Ländern des Donauraumes ihre Wahrnehmungen fotografisch visualisieren.

Regina Hellwig-Schmid, welche Bedeutung haben die Ausstellungen für die donumenta?

 Regina Hellwig-Schmid: Die Einladungen des Elias Canetti-Hauses sowie des Red House in Sofia geben uns die Möglichkeit, unsere Netzwerke im Donauraum zu aktualisieren und zu verstärken. Wir gewinnen neues, junges Publikums. Dies ist  für unsere internationale Vernetzung und die Entwicklung unserer künftigen Themen und Plattformen essentiell notwendig.  Wir erhalten zudem, was ebenso wesentlich für unsere Arbeit ist, aktuelle Informationen über die Kultur und die kulturpolitische Situation im Land, rund zehn Jahre nachdem wir im Jahr 2004 und 2005 unser damaliges donumenta-Festival für Regensburg konzipiert und durchgeführt haben. Vieles hat sich verändert und nicht nur zum Positiven. Das gilt es zu erfahren und in unsere Arbeit zu integrieren.


Welche kulturellen Aufgaben nimmt das Elias Canetti-Haus für die aktuelle Kunstszene in Bulgarien wahr und wie unterstützt die donumenta diese Aufgaben mit seiner aktuellen Ausstellung?

 Penka Angelova: Das Elias Canetti-Haus in Ruse ist ein Kunstort mit hohem Anspruch.  Es ist auf Grund des unermüdlichen Engagements der Stiftung europaweit bekannt und genießt hohe Anerkennung. Unsere Veranstaltungen wie die Literatur– und Filmfestivals, Theateraufführungen, Graffitiworkshops bis zu den Skaterfestivals  erreichen ein großes breitgefächertes Publikum aller Altersschichten.  Die donumenta bringt uns nun die Kunstszene, die Künstler und damit viele Besucher aus Ruse ins Haus.

Regina Hellwig-Schmid: Die donumenta bringt mit ihrer Ausstellung ein spannendes Ereignis in das kulturelle Leben dieser Stadt die seit meinem ersten Besuch im Jahr 1999 über 40.000 Einwohner verloren hat. Natürlich liegt das nicht an der Kunst und Kultur sondern am Verlust der Industrie, aber eben nicht nur. Ich bin überzeugt die Menschen bleiben eher in ihren Ländern wenn sie ein angenehmes und lebenswertes Umfeld haben. Ein solches widerum generieren die Kunst und Kultur auf jeden Fall. Die Besucher unserer Ausstellungseröffnung haben sich sehr über die wunderbaren Fotografien gefreut und mir gesagt, sie hätten solche Arbeiten noch nie gesehen - wenn das kein gutes Zeichen ist, bei den Menschen anzukommen und ein wenig an der Zukunft mitzuwirken. 

Die donumenta widmete vor zehn Jahren der aktuellen Kunst- und Kulturszene Bulgariens ihr Festival. Wie hat sich die Kunstszene seitdem inhaltlich und von den Arbeitsbedingungen her verändert?

Penka Angelova: Inhaltlich hat sie sich stark verändert. Sie ist breitgefächerter. Das,  was früher nur in der alternativen Szene stattfand, ist jetzt in der Wahrnehmung der Stadtgesellschaft angekommen.Vieles das früher als innovativ und alternativ galt rollt jetzt besser auf die Bühne. Aber es muss sich noch viel mehr ändern und entwickeln und die donumenta leistet dazu einen wichtigen Beitrag.

Regina Hellwig-Schmid: Ich kann das schwer beurteilen. Die beiden Ausstellungen, die ich in Ruse jetzt besuchen konnte, waren sehr traditionell geprägt. Andererseits habe ich aber Künstler getroffen, die durchaus auch mit der donumenta weiterziehen könnten.

Penka Angelova, ist das Ihre erste Ausstellung im Elias Canetti-Haus, die die Donau als europäische, kulturelle Metapher ins Zentrum des Interesses rückt?

Penka Angelova: Die Donau und der Donauraum sind schon immer wichtiges Thema des Elias Canetti-Hauses gewesen, und es wird schon immer an Donauprojekten gearbeitet. Canetti selbst bezog sich auf die Donau, als er in „Gerette Zunge“ schrieb:  „ …und von der Donau war immer die Rede“. An anderer Stelle heisst es: „Wenn man die Donau hinauffuhr, so sagte man,  man fährt nach Europa.“

Welche Resonanz auf die donumenta-Ausstellung erwarten Sie?

Penka Angelova: Die Resonanz war schon zur Eröffnung sehr gut, die Inhalte der Bilder sind und waren hier für das interessierte Publikum sehr wichtig, insbesondere vor dem historischen Hintergrund, der uns alle verbindet – die Donau und der Donauraum mit seinem künstlerischen und kulturellem Reichtum. 

Die Fragen stellte Alexandra Karabelas.

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