Luiza Margan "Geliebtes Monster" (9. Juli bis 16. August 2020)

"Geliebtes Monster" nenn die kroatische Künstlerin Luiza Margan ihre Installation aus Überresten des Wirsing-Turms aus den späten 60er Jahren des letzten Jarhunderts. Sie besteht aus Original-Relikten des Hochhauses. Regensburger*innen ermöglicht die Künstlerin dadurch einen besonderen Zugang zur jüngeren Stadtgeschichte.

Als Luiza Margan im Herbst 2019 zum ersten Mal nach Regensburg kam, sich mit dem Ausstellungsort in der früheren Fußgängerunterführung im Hauptbahnhof und der Stadt selbst beschäftigte, zog der so genannte Wirsing-Turm am Ernst-Reuter-Platz ihre Aufmerksamkeit auf sich. Das Gebäude war bereits entmietet, wurde zurückgebaut, doch erkannte Luiza Margan sofort seine architektonische Bedeutung als Beispiel für den so genannten Brutalismus. Hergeleitet vom französischen brut für roh und ungeschliffen wurde der Sichtbeton in der Folge Le Corbusiers zu einem achitektonischen Ideal, das Ehrlichkeit bei Material und Konstruktion mit sozialen Aspekten verband.

Das ehemalige Studentenwohnheim, in den späten 60er Jahren vom Münchner Architekten Werner Wirsing geplant war ein solch soziales Projekt. Bis zu seinem Abriss im Februar 2020 beeindruckte das Hochhaus durch seine in Rot und Blau gestaltete Nordfassade mit gelochten Balkonbrüstungen. Hier wohnten Generationen von Studierenden, feierten Feste und begegneten Freund*innen fürs Leben. Ungeachtet der Proteste engagierter Bürger*innen, die für die Sanierung des Bauwerkes eintraten, wurde der Wirsing-Turm im Februar 2020 abgerissen. Dieses Ereigniss markiert den Beginn der Sanierung des Kepler-Areals am Ernst-Reuter-Platz

Margans Installation thematisiert die Unvereinbarkeit zweier widerstrebender Tendenzen: Auf der einen Seite steht der Wunsch nach Bewahrung des kulturelle Erbes mit den ihr eingeschriebenen sozialen Werten und auf der anderen Seite triumphiert die Verwüstung, die dem Streben nach Profitorientierter Stadtgestalt folgt.

Vita und weitere Projekte

Luiza Margan wurde in Rijeka, Kroatien, geboren, studierte Malerei in Ljubljana, Slowenien, und Performative Kunst und Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien, Österreich. Derzeit lebt sie in Wien und Rijeka. Sie arbeitet mit Installation, Video, Performance, Skulptur und Intervention im öffentlichen Raum.

In ihrer Arbeit erforscht Margan die Beziehung zwischen privater und öffentlicher Sphäre. Sie hinterfragt inwiefern historische Narrative und ideologische Veränderungen den öffentlichen Raum strukturieren, kulturelle Identitäten etablieren und welche Rolle die Kunst dabei einnimmt.

Mittels Dekonstruktion historischer, ideologischer oder ästhetischer Wertsysteme entwickelt sie neue ungewohnte Perspektiven auf den Raum, die sozialen Beziehungen und deren Zukunft. Ihr Werk entwickelt sie aus Feldforschung, flanierender Beobachtung, historischem Material und dem performativen Einsatz ihres Körpers. Durch das Sammeln und die Re-Kontextualisierung gefundener Materialien konstruiert sie neue Objekte. Dadurch entstehen neue Umgebungen und Sichtweisen.

Margan stellte in zahlreichen internationalen Museen und Galerien aus. Sie initiierte vielbeachtete Aktionen und Performances im öffentlichen Raum. Ihre Werke sind in internationalen öffentlichen und privaten Kunstsammlungen vertreten, u. a. in der Generali Sammlung Salzburg, im Museum für Zeitgenössische Kunst – 21 Haus Wien, im Museum für Zeitgenössische Kunst Zagreb oder im Tabakmuseum Ljubljana.

Luiza Margan beteiligte sich an Residenzprogrammen in Italien, Frankreich, Südkorea und Mexiko. Neben zahlreichen Auszeichnungen erhielt sie 2008 das Fellowship des ISCP International Studio and Curatorial Programmes in New York und 2019 Fellowship für bildende Künstler*innen an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart, Deutschland. www.luizamargan.net

Weitere Werke der Künstlerin: