09.06.2026

Coole Kunst für mehr Klimaresilienz

donumenta ClimArt – Artists for a Resilient Future bringt Ideen für Stadt der Zukunft

REGENSBURG. Die UNESCO-Weltkulturerbestadt gehört zu den deutschen Städten mit regelmäßigen Hitzerekorden. Der donumenta e.V. nimmt das zum Anlass, die Stadt an der Donau gemeinsam mit Künstler*innen zum Experimentierfeld für mehr Klimaresilienz zu entwickeln. Ihre Werke sind von 21. Juni bis zum 15. September im Öffentlichen Raum der Weltkulturerbestadt erlebbar.
donumenta-Kuratorin Regina Hellwig-Schmid ist überzeugt: „Verändern und Bewahren sind in der Weltkulturerbestadt nur scheinbare Widersprüche. Unsere Künstler*innen bringen Vorschläge für die Stadt der Zukunft.“
Die donumenta Artists for a Resilient Future werden bei der Eröffnung vor Ort sein und ihre Werke vorstellen, am 21.06.2026 um 11.00 Uhr im Besucherzentrum Welterbe im Historischen Salzstadel Regensburg.

Existenzielle Fragen
Im Projekt donumenta ClimArt – Artists for a Resilient Future gehen wir existenziellen Fragen nach: Wie können Künstler*innen vor dem Hintergrund des Klimawandels dazu beitragen, dass unsere erhitzten Städte wieder lebenswerte Orte werden? Wie kann der öffentliche Raum Ort des Austauschs über diese Erfahrungen werden? – Auf Einladung des donumenta e.V. bringen die Künstler*innen Ulrika Eller-Rüter, Markus Jeschaunig, Folke Köbberling und Gabi Blum ab 21. Juni 2026 ihre Projekte in die Weltkulturerbestadt.

Mikro-Walderlebnis
Der österreichische Künstler und Architekt Markus Jeschaunig gestaltet mit seiner Installation Mooshelm am Schwanenplatz einen Rückzugsort im Urbanen. Die begehbare Schalenkonstruktion erinnert an einen Helm, der zu einem Mikro-Walderlebnis auf minimalem Raum einlädt. Das Innenleben aus Moosen und Farnen, bildet einen Mikrokosmos, der uns beim Betreten mit spürbar frischer Luft umgibt, so als wären wir im Wald. Der Mooshelm bietet einen Moment der Abkühlung in der stark versiegelten und sommerlich heißen Innenstadt Regensburgs.

Rebellion gegen Versiegelung
Die Künstlerin Folke Köbberling rebelliert am Platz der Einheit (Nähe Stadtpark) mit ihrer Skulptur MAAAAASHxxx gegen die Vorherrschaft des motorisierten Verkehrs. Die Inbesitznahmen des öffentlichen Raums durch immer größer werdende PKWs vergegenwärtigt sie in der 1:1-Nachbildung eines Luxus-Offroad-Fahrzeugs, das aus einem speziell zu diesem Zweck entwickelten, kompostierbaren Verbundstoff besteht. Der Witterung ausgesetzt, beginnt sich die Skulptur zu verändern. Sie wird porös, zerfällt und wird schließlich Teil ihrer Umwelt. Aus einem Symbol für Versiegelung, Raumaneignung und Verdrängung von Stadtgrün entsteht so ein lebendiger Prozess – ein Ort, der neuen Raum und Nährstoffe für Pflanzen und Tiere schafft.

Surrealer Souvenir Shop 
Wie wird öffentlicher Raum verhandelt, zugeteilt und in Besitz genommen? Wem werden Monumente gewidmet, welcher Ort wird nach wem benannt und nach wem nicht? Diesen Fragen geht die Münchner Künstlerin Gabi Blum in ihrer Arbeit Platzhalter | Front Row am Donaumarkt nach. Im mobilen Kunst-Kubus, dem donumenta ART LAB on the Move, stellt die Künstlerin daher Themen zur Debatte, die in der Öffentlichkeit wenig Gehör finden. Mit ihrem surrealen Souvenir Shop, der – außer Betrieb und ziemlich heruntergekommen – gleichermaßen aus der Vergangenheit und Zukunft kommen könnte, wirft Gabi Blum weitere Fragen auf: An was werden wir uns erinnern? Wie werden wir uns verändern, wenn der Klimawandel weiter fortschreitet?  

Der Vitusbach – Regensburger Wasserader
Die Künstlerin Ulrika Eller-Rüter vergegenwärtigt mit ihrem Kunstprojekt fließend verflossen den sichtbaren und unsichtbaren Weg der früheren Regensburger Wasserader Vitusbach. Durch klangliche und visuelle Interventionen wird der Verlauf des Baches von seiner Quelle beim Kloster Karthaus-Prüll bis zur Donau wieder in das Bewusstsein gerufen.

Ergänzend dazu erschafft Ulrika Eller-Rüter im Besucherzentrum Welterbe eine atmosphärische Unterwasserwelt aus Licht, Klang und mikroskopischen Visionen von Wasserproben. Seit 2019 sammelt die Künstlerin Wasserproben aus Flüssen, Meeren und Quellen auf der ganzen Welt.  Die mikroskopischen Aufnahmen zeigen Spuren von Landschaft, Zivilisation und natürlichen Prozessen. In Regensburg zeigt die Künstlerin u.a. Wasserproben aus Donau und Vitusbach. So zeigt sich die eigene, unverwechselbare Signatur eines jeden Gewässers.

Während der Ausstellungszeit finden zusätzliche Veranstaltungen zum Projekt statt:

 

Veranstaltungen und Führungen
Anmeldungen zu allen Veranstaltungen erforderlich:
donumenta2026@donumenta.de

Irmi Kurz | Gästeführerin
Die Tour führt von der Quelle des Vitusbach in Karthaus-Prüll entlang des aktuellen und historischen Verlaufs bis zur Mündung in die Donau.
Termine: 27.06. / 18.07. / 25.07. / 08.08. / 22.08.2026, 10 Uhr, 10 €
Treffpunkt: Brunnstube, Ludwig-Thoma-Straße 16

Hubert H. Wartner | Ehrenvorsitzender Geschichts- und Kulturverein Regensburg-Kumpfmühl
Führung: „Von der Quelle zum Fluss – der Regensburger Stadtbach“
Termin: 19.07.2026, 16 Uhr
Vortrag mit Filmvorführung: „Der Regensburger Stadtbach“
Termin: 23.07.2026, 19 Uhr, Theresia – Raum für Ideen, Kumpfmühler Straße 39

Jutta Watzlawik | Geomantin
Geomantie ist die Kunst, die Sprache der Erde zu hören, zu verstehen und zu beherzigen.
Geomantische Führungen: „Der Vitusbach: Quell des Lebens“ 
Termine: 01.08. / 05.09.2026, 13:30 –17 Uhr, 20 €

Weitere Informationen zu den ClimArt-Künstler*innen:

Markus Jeschaunig
Markus Jeschaunig ist Künstler und Architekt; er lehrt an der FH Joanneum Graz. Seine Arbeiten sind von den natürlichen Dynamiken der Erd-, Wasser-, und Lebenssphäre geprägt und bewegen sich an der Schnittstelle von Ökologie, Technologie, Architektur, Landschaft und gesellschaftlichen Engagement.

Jeschaunig studierte Kunst und Architektur in Linz, Istanbul und Wien. 2010 schloss mit einem Architekturdiplom in Linz ab. 2012 gründete er die künstlerische Praxis „agency in biosphere“ und war Teilnehmer der Change Course Conference des Club of Rome. Als Mitautor des österreichischen Expo-Pavillons 2015 in Mailand, ist er Mitbegründer des Breathe Earth Collective, einem transdisziplinären Think-Tank. Seine Mikro-Waldinstallation Mooshelm soll Abkühlung in die stark versiegelte und heiße Innenstadt Regensburgs bringen.

Folke Köbberling
Folke Köbberling ist Künstlerin und Professorin an der Technischen Universität Braunschweig. In ihren Arbeiten thematisiert sie das Verhältnis zwischen Menschen und gebauter Umwelt sowie den Einfluss des Autoverkehrs, zuletzt in ihrer Installation MASH & HEAL in München. In ihrem kritischen Kommentar zur Dominanz des Automobils und der Flächenversiegelung der Stadt, fungierten ihre Skulpturen auch als Indikatoren für die Nutzung des öffentlichen Raums. „Mash & Heal“ thematisiert den zunehmenden Druck, den die immer größer und zahlreicher werdenden Autos auf unseren öffentlichen Raum ausüben. Angesichts der Tatsache, dass Städte zunehmend versiegelt und zugestellt werden, verwandelt Folke Köbberling die Autos in nachhaltige Skulpturen, die darauf abzielen, den Stadtraum wieder für die Menschen zurückzugewinnen. In ihren Realisierungen benutzt sie natürliche Materialien wie Rohwolle und Erde. Maaaaashxxx! war der Beitrag von Kunst im öffentlichen Raum Wien zur Klima Biennale Wien 2026.

Gabi Blum
Gabi Blum studierte Bildhauerei bei Prof. Stephan Huber an der AdBK München und schloss 2014 als Meisterschülerin mit Diplom ab. 2015 erhielt sie die Debütantenförderung und den Bayerischen Kunstförderpreis. 2017 reiste sie im Rahmen des USA Stipendiums u.a. nach Seattle, Oregon, Detroit und Chicago. 2018 erhielt Blum das Stipendium zur Realisierung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre, sowie Förderung von der Stadt München für den Projektraum Kunsthaus Raab. Blum kombiniert raumergreifende begehbare Installationen mit Performance, Malerei und Video. Ihre meist ortsspezifisch konzipierten Arbeiten arrangieren Menschen in kulissenartigen stereotypischen Räumen und verstehen sich als prozesshafte experimentelle Anordnung von Material, Akteur*in und zeitbasierten Medien. Im Rahmen des donumenta ClimArt – Artists for a Resilient Future, wird sie das ART LAB on the Move gestalten.

Ulrika Eller-Rüter
Ulrika Eller-Rüter ist Künstlerin und Professorin für Malerei und Kunst im gesellschaftlichen Kontext an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft bei Bonn. Sie arbeitet multidisziplinär in den Grenzbereichen zwischen Malerei, Installation, Performance und Musik, wie auch in partizipativen Kunstformen im öffentlichen Raum. Ihre Ausstellungstätigkeit umfasst Einzelausstellungen, Performances und Interventionen im gesellschaftlichen Kontext in über 15 Ländern weltweit. Anlässlich der 650-Jahrfeier in Solingen realisierte sie mit Dirk Balke die Intervention Gräfrather Wasseradern. In Regensburg lenkt sie die Aufmerksamkeit auf den historischen Wasserlauf des Vitusbaches.

 

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