15.01.2020

Kampf an der Hyazintenfront

„Gückliche Fälle“ – Buchgespräch mit Yevgenia Belorusets

Buchpräsentation "Glückliche Fälle" 10.01.2020 Prof. Dr. Guido Hausmann, Regina Hellwig-Schmid, Dr. Ulf Brunnbauer Yevgenia Belorusets und Dr. Heidrun Hamersky (v.l.) (Foto: Patrizia Schmid-Fellerer)

Der Bonhoeffer-Saal im Regensburger Evangelischen Bildungswerk an der Gesandtenstraße ist gut gefüllt. donumenta-Initiatorin Regina Hellwig-Schmid begrüßt Yevgenia Belorusets aus der Ukraine. Prof. Dr. Guido Hausmann vom Leibniz-Institut für Osteuropastudien (IOS) moderiert. Die engagierte Schriftstellerin und Fotografin liebt die nicht beachteten Perspektiven auf die Dinge. Gleich wird sie aus ihrem Buch „Glückliche Fälle“ lesen und einen außergewöhnlich lebendigen und differenzierten Blick auf das Kriegsgebiet Ukraine werfen.

Die Szenen sind das Ergebnis von Interviews, die Belorusets mit Frauen in den Kriegsgebieten geführt hat. Unspektakulär, traumähnlich, absurd und gleichzeitig hochgradig spannend handelt dieses Buch von Menschen, die im Krieg versuchen ihr ganz normales Leben weiterzuleben. In 30 Miniaturen zeichnet Yevgenia Belorusets Szenen aus dem Leben in der kriegsgebeutelten Ukraine, darunter das der Floristin im Donezbecken. Diese liebt ihren Beruf, denkt sich die schönsten Namen für ihre Bouquets aus und nennt sie „ukrainisches Geheimnis“ oder „römisches Schlafzimmer“. Je stärker der Krieg von ihrem Land Besitz ergreift, umso mehr zieht sie sich zurück auf ihren Laden. Längst haben ihre Kundinnen und Kunden die Stadt, manche sogar das Land verlassen. Das Leben, Denken und Handeln der Floristin blenden das Leben draußen weitgehend aus. Irgendwann verschwindet das Geschäft und es heißt, die Blumenfrau sei in den Krieg gezogen. Die Menschen rätseln an welcher Front sie jetzt kämpfe, so unpolitisch wie sie die meisten kennengelernt hatten. Die Antwort lautet: „An der Hyazintenfront“.

BU: Yevgenia Belorusets liest aus ihrem neuen Buch – auf Einladung des donumenta e.V., des Leibniz-Instituts für Ost- und Südosteuropa-Forschung sowie der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien. Von links: Prof. Dr. Guido Hausmann, Regina Hellwig-Schmid, Dr. Ulf Brunnbauer Yevgenia Belorusets und Dr. Heidrun Hamersky (Foto: Patrizia Schmid-Fellerer)

Zurück