21.05.2021

Wenn die Welt nicht mehr zu retten wäre

Catharina Szonns „High Noon“ im donumenta ART LAB Gleis 1

Blick durch den Soundkanal in die Ausstellung "High Noon" von Catharina Szonn im donumenta ART LAB Gleis 1 (Foto: Patrizia Schmid-Fellerer)

Ausgemusterte Maschinen aus den 70er und 80er Jahren bilden das Grundgerüst für Catharina Szonns Installation im donumenta ART LAB Gleis 1 am Hauptbahnhof. Ihre ursprüngliche Funktion ist in der Ausstellung „High Noon“ einer postkapitalistischen Mahnung gewichen. Die Schau aus rotierenden Maschinen öffnet vom 22. Mai bis zum 27. Juni 2021 jeden Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 19 Uhr.
In ihren Arbeiten setzt sich Catharina Szonn mit Wirtschaft, Technik und Gesellschaft auseinander. Für ihre Ausstellung in Regensburg entwirft sie einen dystopischen Blick in die Zukunft. Wie würde die Welt aussehen, wenn sie bereits nicht mehr zu retten wäre? In einer simulierten Zukunft rotieren Maschinen als Zeugen der Idee einer unendlichen wirtschaftlichen Expansion. Die Künstlerin lädt die Betrachter*innen ein, die Gegenwart dahingehend zu befragen, ob es bereits fünf vor zwölf oder fünf nach zwölf ist, jedenfalls höchste Zeit: „High Noon“ 

Poetische Kommentare
Dabei liegt der Künstlerin jegliche Schuldzuweisung fern. „Ich bin nicht radikal, bin keine Aktivistin“, sagt die 1987 geborene Künstlerin von sich. „Ich beobachte und kommentiere, was ich wahrnehme. Ich versuche meine künstlerische Arbeit auf eine poetische Art offen zu halten. Ich würde mich auch primär nicht als politische Künstlerin bezeichnen, wenngleich es nicht unpolitisch ist, was ich zeige: Wirtschaftsprozesse, Produktionsprozesse etc.“
Ihren kreativen Prozess befeuert Catharina Szonn mit Notizen und Gedanken, die sie aufschreibt. Dazu kommen Hunderte von Screenshots. Für „High Noon“ sammelte sie 500 Bildschirmfotos, recherchierte über die Atombombenversuche am Bikini-Atoll in den 50er Jahren, über Raumfahrt und eine Mülldeponie für die Erde im Weltall oder Material zum Stoppen von Lkw-Reifen. Catharina Szonns Affinität zu Texten findet in LED-Leuchtschriften Ausdruck. „No Panic“ leuchtet aus einer dieser dystopischen Assemblagen. Werktitel wie „Trouble in Paradise“ sind charakteristisch für die poetisch kommentierende Attitüde der Künstlerin.

Quietschbunte Plastikträume
Über Szonns Assemblagen aus selbstlaufenden Maschinenparks und quietschbunten Plastikträumen schreibt Medienkünstler und Kurator Franz Reimer: „Catharinas Installationen spiegeln nicht mehr und nicht weniger als die Wirklichkeit des besten Deutschlands, das es jemals gab – eine endlose Sinfonie sich aneinanderreihender Fabrikhallen, Einkaufszentren, Entertainmentparks und Müllhalden – der traurige Traum eines ewig steigenden Bruttosozialprodukts. Die unauflösbare Unerfülltheit eines ewigen Wachstums. (…) Catharinas Arbeiten stellen die richtige Frage zur richtigen Zeit: Was zur Hölle machen wir hier eigentlich?“

Catharina Szonn zeigt die Ausstellung „High Noon“ im donumenta ART LAB Gleis 1 vom 22. Mai bis zum 27. Juni 2021, jeden Mittwoch bis Sonntag von 14.00 Uhr bis 19.00 Uhr.
Vorausgesetzt, die Inzidenz bleibt unter 100 und solange die Wocheninzidenz noch über 50 liegt, bitten wir unsere Ausstellungsbesucher*innen um Anmeldung über unserem Online-Terminkalender unter www.donumenta.de.
Bitte beachten Sie die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln.

Zurück