Maximales Reiseerlebnis: ART LAB Gleis 1

„Steigen Sie ein in diesen Sonderzug.“ Wolfgang Dersch, Kulturreferent der Stadt Regensburg 

 

Am Hauptbahnhof Regensburg ist die donumenta permanent präsent. Der frühere unterirdische Zubringer zu den Gleisen 1-9 ist Kunst-Labor und Ausstellungsort der donumenta und ihres riesigen Netzwerks aus Künstler*innen und Kultur-Institutionen der Länder des europäischen Donauraums. Zwischen den Polen Wissenschaft und Kunst versteht sich das ART LAB  Gleis 1 als Experimentierfeld. Die Menschen am Bahnhof, ganz gleich, ob sie den Installationen in der Unterführung absichtlich oder zufällig begegnen, sind Teil des interaktiven Experiments. Mehrmals im Jahr gestaltet ein anderer Künstler, eine andere Künstlerin oder
eine Gruppe diesen außergewöhnlichen Raum.

Das ART LAB  Gleis 1 bringt Kunst zu den Menschen.

Das ART LAB  Gleis 1 nutzt eine außergewöhnliche Location für raumbezogene Kunst.

International renommierte Künstler*innen zeigen im ART LAB  Gleis 1 Werke, die Menschen am Bahnhof

  • in eine überrasche neue Umgebung entführen
  • ihnen en passant die Möglichkeit geben, sich auf ein Experiment einzulassen
  • und sie auf völlig neue Gedanken bringen.

Auf 60 Metern Länge bietet das ART LAB Gleis 1 im Hauptbahnhof Regensburg maximales Reiseerlebnis.

  • Öffnungszeiten: Mi bis So, 14 bis 19 Uhr
  • Freier Eintritt
  • Führungen nach Rücksprache unter info@donumenta.de

Hier gehts zur Panoramatour der Ausstellung "Monokulturelles Stillleben (Kukuruz)"
https://www.wsfoto.de/panorama/Kukuruz/Index.html

#ARTLABGleis1 #luizamargan #donumenta #regensburg Geliebtes Monster

In dieser Arbeit bezieht sich Luiza Margan auf das im Baustil des „Brutalismus“ errichtete Gebäude am Ernst-Reuter-Platz in der Nähe des Hauptbahnhofs Regensburg. Das 1967 von Werner Wirsing geplante Gebäude aus Beton und Metall mit farbiger Nordfassade war ein soziales Projekt. Es diente Generationen von Studierenden als Wohnheim. Ungeachtet der Proteste engagierter Bürger*innen, die für die Sanierung des Bauwerks eintraten, wurde der so genannte Wirsing-Turm im Februar 2020 abgerissen. Dieses Ereignis markiert

den Beginn der Sanierung des Kepler-Areals am Ernst-Reuter-Platz. Margans Installation bezieht sich auf die Unvereinbarkeit zweier widerstrebender Tendenzen: zum einen den Wunsch nach Bewahrung des kulturellen Erbes und den ihm zugeschriebenen sozialen Werten; und auf der anderen Seite triumphiert Verwüstung, die der neoliberalen Philosophie in ihrem Streben nach profitorientierter Stadtgestalt folgt.

Zwei Hauptwerke definieren den Raum im ART LAB Gleis 1. Das erste, das Wandgemälde „Grey. Blue. Red.“ bezieht sich auf die ursprüngliche Nordfassade des Gebäudes und ist in den ursprünglichen Farben gehalten. Das Raster wird durch Reihen kreisförmiger Lichtspiele unterbrochen. Wenn Licht durch die Löcher der Balkonbrüstungen scheint, wirft es Muster auf die Gebäudeoberfläche. Eines dieser runden Farbmuster ist ein tatsächliches Loch in der Wand – ein Guckloch, durch das die Ausstellungsbesucher*innen in Zeitlupe das Video vom Einsturz des Wirsings-Turms sehen können. Dieses Erlebnis versetzt die Betrachter*innen in eine Position der Intimität und Vergewisserung unserer Rolle als Bürger*innen, während es gleichzeitig die passiv voyeuristische Position und unsere Komplizenschaft mit der Theatralik der Zerstörung unterstreicht. Im übrigen Ausstellungsraum dominiert das dynamische Spiel mit neu geschaffenen Skulpturen. Sie bestehen jeweils aus einer hochgezogenen Holzplattform, die eine fünf Meter lange metallene Balkonbrüstung trägt. Das Material hat Margan nach der Zerstörung des Wirsing-Turms erworben, in eine neue Form gebracht und mit einer zusätzlichen Holzkonstruktion gestützt. Diese langen, in neue Formen gebogenen Gitter zelebrieren die Idee des Balkons als Raum der Interaktion zwischen Öffentlich und Privat, der gemeinsamen Erfahrung, der Gemeinschaft und des Mitspracherechts.

*Zu diesem Titel inspirierte die Künstlerin der Text „Das graue Beton-Ungeheuer“ aus der Süddeutschen Zeitung, 17.05.2017. Hier beschreibt Autor Andreas Glas seine Begegnung mit Dieter Henrich. Den ehemaligen Uni-Rektor und Juraprofessor lässt der brutale Betonbau der Universität Regensburg seit seiner ersten Vorlesung vor 50 Jahren nicht mehr los: „Architektur musste ehrlich sein“, sagt der Emeritus.