Maximales Reiseerlebnis: ART LAB Gleis 1

Am Hauptbahnhof Regensburg ist die donumenta permanent präsent. Der frühere unterirdische Zubringer zu den Gleisen 1-9 ist Kunst Labor und Ausstellungsort der donumenta und ihres riesigen Netzwerks aus 14 Donauländern. Zwischen den Polen Wissenschaft und Kunst versteht sich das ART LAB Gleis 1 als Experimentierfeld. Die Menschen am Bahnhof, ganz gleich, ob sie den Installationen in der Unterführung absichtlich oder zufällig begegnen, sind Teil des interaktiven Experiments. Mehrmals im Jahr gestaltet ein anderer Künstler, eine andere Künstlerin oder
eine Gruppe diesen außergewöhnlichen Raum.

Das ART LABGleis 1 löst den Anspruch der donumenta ein, Kunst zu den Menschen zu bringen.

Das ART LABGleis 1 nutzt eine außergewöhnliche Location für raumbezogene Kunst.

International renommierte Künstlerinnen und Künstler zeigen im ART LABGleis 1 Werke, die Menschen am Bahnhof

  • in eine überrasche neue Umgebung entführen
  • ihnen en passant die Möglichkeit geben, sich auf ein Experiment einzulassen
  • und sie auf völlig neue Gedanken bringen.

Auf 60 Metern Länge bietet das ART LAB Gleis 1 im Hauptbahnhof Regensburg auf relativ kurzer Distanz maximales Reiseerlebnis.

  • Öffnungszeiten: Mi bis So, 14 bis 19 Uhr, Do, 14 bis 21 Uhr
  • Freier Eintritt
  • Führungen nach Rücksprache unter info@donumenta.de

Programm

  • Berkan Karpat, Bildender und Darstellender Künstler, München
    IQRA – Koranische Installation / Interaktion (biochemisch) Licht- und Klangwerk
    Ausstellung vom 9. August bis 29. September 2019

  • Artist Talk mit Berkan Karpat am Donnerstag, 5. September 2019 um 19.00 Uhr über die Versöhnung von Kunst, Wissenschaft und Technik und die Ästhetik des Korans.

Berkan Karpat: High-Tech-Mystiker im Kunsttunnel

Interaktiv und interdisziplinär
Im donumenta ART LAB Gleis 1 wirkt Kunst in die Lebenswelt der Menschen hinein. Die raumgreifende Licht- und Klanginstallation des Künstlers Berkan Karpat thematisiert die Ästhetik des Korans. Besucher*innen erfahren in der Ausstellung wie Hören zu Fühlen wird. Der Titel der Ausstellung: IQRA – Koranische Installation / Interaktion (biochemisch) Licht- und Klangwerk. „Iqra“ ( إقْرَ ) ist arabisch und heißt „Rezitiere!“ oder „Trage vor!“. „Iqra“ ist das erste Wort der ersten Koransure. Ihr widmet Berkan Karpat seine interaktive Installation.

Spagat zwischen Kunst und Wissenschaft
Mit seinen Arbeiten schafft Berkan Karpat den Spagat zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen High-Tech und Poesie. Seine großformatigen performativen Skulpturen sind als dreidimensionale, begehbare Gedichte bezeichnet worden. Eine Jury der Landeshauptstadt München formulierte: „Seine Ästhetik ist dabei eine der radikalsten (...), die es in der Kunstszene zu entdecken gibt und lässt traditionelle Ästhetiken und Rezeptions-mechanismen weit hinter sich.“

Cyberphysical Art
Immer wieder Thema in Karpats Arbeiten: Das Wechselspiel zwischen Werk und menschlichem Körper, zwischen Kunstwerk und Rezipient. Der Künstler nennt das Cyberphysical Art, wenn seine Werke die Blut- und Hormonwerte von Ausstellungsbesucher*innen verändern. Berkan Karpat generiert so eine radikale Form der Intimität, die im Extremfall das Kunstwerk ins Innere des Betrachters verlegt und so die Grenzen zwischen Rezipient und Schöpfer verschwinden lässt.

Der Koran – Iqra ( إقْرَ ‚Rezitiere!')
Seit einigen Jahren beschäftigt sich der Künstler mit dem Koran. Jahrhundertelang galt der Koran auch als ästhetisches Manifest, ganz besonders im Hinblick auf seine Rezitation und Kalligrafie. Heute scheint dieser Aspekt des Korans sowohl im Osten als auch im Westen in Vergessenheit geraten zu sein und taucht allenfalls in traditionellen Formen wieder auf. In Zeiten, in denen Religion als Waffe gebraucht wird, liest Karpat den Koran wieder als ästhetisches Manifest und entwickelt dafür eine zeitgemäße künstlerische Sprache. „Ich glaube, dass ein neuer Zugang zur Ästhetik des Korans möglich ist, wenn wir seiner poetischen Kraft zuhören (...). Die Brücke, die man (...) über das Hören beschreitet, ist dabei so dünn wie ein Haar und so scharf wie ein Schwert“, sagt Berkan Karpat.

Den Klang spüren
Ein wesentlicher Aspekt des Korans ist sein Klang. Das Buch ist vielmehr Vortrags- denn Lesetext. Sinn und Bedeutung erfüllen sich im Vortrag. In seinem für Regensburg konzipierten Werk IQRA rezitiert das Wasser den Koran – und das in doppeltem Sinne. Die Rezitation vollzieht sich zum einen in der Skulptur Berkan Karpats und zum anderen im Körper der Ausstellungsbesucher*innen, der selbst zum großen Teil aus Wasser besteht.

Technik und Poesie
Ein Exemplar des Koran, eingeschlossen in einem kubischen Wasserbehälter, beeinflusst die Struktur des ihn umgebenden Wassers und damit auch sein Frequenzspektrum. In einer Abfolge von Sinustönen flüstern Koransuren den Betrachter*innen durch das Medium Wasser ihre Melodie zu, ein Koranrezitativ, in dem Wissenschaft und Technik mit Poesie und Mystik verschmelzen.

Berkan Karpat
Der Künstler ist in Istanbul geboren und in München aufgewachsen. Als Bildender und darstellender Künstler chanchiert er zwischen Wissenschaft und Technik, Orient und Okzident. Seine Werke zeigen eine poetische Bilderwelt, die Grenzen sprengt, unmittelbar sinnlich und nachhaltig anregend wirkt.
Viele seiner Arbeiten wie "tanzende der elektrik" am Odeonsplatz oder Mariens Woyzeck Ghaselen" auf der Großhessloher Brücke in Pullach fanden mit großem Erfolg im öffentlichen Raum statt.

International beteiligte sich der Künstler an renommierten Festivals wie dem CyberArts-Festival in Boston / USA, dem Festival „sequences“ in Reykjavik / Island und in der Hagia Sofia, Istanbul / Türkei. Für das Düsseldorfer Museum „kunst palast“ gestaltete er die Islam-Ausstellung „ich esse licht“. Für gemeinsame Forschungsprojekte und Workshops folgte Berkan den Einladungen internationaler Universitäten und Museen, u.a. Université du Québec à Montréal in Kanada, Massachusetts College of Art, Boston / USA, Hyper-Studio, M.I.T. Cambridge / USA, Louvre Paris / F. Berkan Karpat veröffentlichte Gedichtbände, u.a. zusammen mit dem Autor Zafer Şenocak. Von 2010 bis 2013 arbeitete er mit Münchner Schülern am Modellprojekt TheoPrax der TU München.2009 bis 2011 leitete er zusammen mit den Lyrikerinnen Karin Fellner und Andrea Heuser die Veranstaltungsreihe LYRIKOASE im Alten Hof München. Seit Oktober 2018 ist er Präsident es Künstlerverbundes im Haus der Kunst in München.