Ausstellungsvideo "echo on survival"

Video: Michael Geppert

Barbara Sophie Höcherl "echo on survival" 27. August 2021 - 03. Oktober 2021

WIDERHALL – ECHO
Im übertragenen Sinn versteht man unter „Echo“ auch die Rückwirkung oder Erwiderung auf eine Handlung oder einen Zustand. In der griechischen Mythologie ist die Oreade Echo eine Komplizin von Zeus, die infolge eines Komplotts ihrer eigenen Sprache beraubt wird. Die Tragik dieser Figur besteht darin, dass sie fortan lediglich als Widerhall zum Ausdruck kommt. Soweit die etymologische Bedeutung. Der Titel der Ausstellung echo on survival versteht sich als Widerhall auf Prozesse und Kreisläufe in der Natur – wachsen, verändern, verwelken, zersetzen, transformieren und vor allem überdauern. Und das in einer Zeit, in der der Klimawandel durch den verstärkten Eingriff des Menschen in die natürlichen Kreisläufe konkret sichtbar und spürbar wird.

ERWIDERUNG
Die Bionik als Wissenschaftsfeld befasst sich mit Phänomenen der Natur, wobei hier die technische Umsetzung und Anwendung in Konstruktionen, Verfahren und Entwicklungsprinzipien im Vordergrund stehen. Doch wie kann sich dieses Echo in der künstlerischen Arbeit äußern? Im Sinne einer Reproduktion, beispielsweise als Abguss? Als reine Imitation, Konservierung und Bewahrung? Oder als verzerrte Antwort und Transformation im Sinne einer eigenen Bildsprache? Ein zentraler Aspekt von Barbara Sophie Höcherls bildhauerischer Arbeit ist das verwendete Material, welches als Ausgangspunkt dient und bei ihren installativen Arbeiten zum Einsatz kommt. Hierbei finden natürliche Materialien Verwendung, die durch eine gewisse Rohheit gekennzeichnet sind und in Dialog mit (von Menschen) gemachten Materialien treten. Aber auch „selbst erschaffenes“ Material, das durch Verknüpfungen, Verformungen oder Erweiterungen Symbiose und Parität anstrebt und entsprechend als Erwiderung (Echo) des Vorhandenen dient, wird verwendet. Die Installationen sind insofern auch eine Erinnerung oder eine Erwiderung, die einen Code ihrer früheren Form in sich tragen. Es ist ein Spiel mit der Balance zwischen organischen und anorganischen Elementen, Naturbausteinen und Beständen aus unserer materialistischen Konsumgesellschaft.

NACHDRUCK
Der Biologe und Spezialist für Neurobiologie von Pflanzen, Stefano Mancuso, hat in seiner Forschung dargelegt, dass Pflanzen über Intelligenz verfügen und ihnen als größte „Gesellschaft“ demnach auch eigene Rechte eingeräumt werden sollten. Höcherls Arbeiten legen die Aufmerksamkeit auf Zustände, die in der Regel wenig wahrgenommen werden und eher eine untergeordnete oder selbstverständliche Bedeutung erfahren. Sie dienen der Sichtbarmachung von Marginalien, des Verborgenen und Unscheinbaren. Dabei sind die Prozesse in der Natur durchaus spektakulär und einzigartig. Schon allein die Tatsache, dass Pflanzen an ein und demselben Standort Jahrhunderte überleben können, belegt diesen Aspekt. Es kommt nicht von ungefähr, dass sie den größten Teil der Biomasse der Erde ausmachen.

Text: Alexander Rosol

Vita und weitere Werke

BARBARA SOPHIE HÖCHERL ist ausgebildete Staudengärtnerin und studierte an der Westböhmischen Universität für Kunst und Design in Pilsen. Seit 2012 arbeitet sie als freischaffende bildende Künstlerin in Regensburg und Hengersberg. Für ihre bildhauerische Arbeit ist das verwendete Material von zentraler Bedeutung. Es ist die Basis für ihre Installationen. In diesen Arbeiten unterzieht Barbara Sophie Höcherl ihr Material einer Analyse, untersucht seinen Charakter und prüft Möglichkeiten der Ausarbeitung und Inszenierung. Dabei beschäftigt sie sich mit der grundlegenden Fragestellung, was Skulptur heute im Allgemeinen und vor allem für sie selbst bedeutet und welche Grenzen man dabei bezüglich Form, Material und Ästhetik ausloten kann. Gerade in der Kunst unterliegt das verwendete Material stets auch einer gewissen Konnotation und Semantik. Diese oftmals vorgefertigte oder starre Bedeutungsebene soll in den Arbeiten hinterfragt, erweitert und aufgebrochen werden.