Christian Schnurer: „Salva Vida – HOTSPOT“ (1. Oktober bis 15. November 2020)

 

„Salva Vida – HOTSPOT“ heißt die Installation aus Videos und Rettungswesten  des Münchner Künstlers Christian Schnurer im donumenta ART LAB Gleis 1. Sie handelt von den Lebensbedrohungen an den Rändern Europas und spielt – aktueller denn je – auf Lesbos im Flüchtlingslager Moria.

Die Installation im donumenta ART LAB Gleis 1 ist Teil des Projektes „Salva Vida“, einer Kooperation mit der Gemeinde Lesbos. Bei einem Hilfstransport im Januar 2016 importierte der Künstler 4.000 Schwimmwesten von Geflüchteten, um diese an verschiedenen Orten im öffentlichen Raum zu „(de)platzieren“.

„Ich möchte, dass die Zustände, die auf Lesbos herrschten zuhause sichtbar werden“, sagt Schnurer über seine Arbeit. – Angesichts der aktuellen Situation kommentiert der Künstler: „Ich habe Moria und Lesbos im Januar 2016 als einen Ort der Hoffnung erlebt. Danach ist dieser Ort Schritt für Schritt zur Hölle geworden.“ Schnurer beschreibt die Bilder, die jetzt durch die Medien gehen als „das Ergebnis einer zutiefst unchristlichen Abschreckungspolitik der EU.“ Was hier passiert, nennt Schnurer „Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“

Jede einzelne dieser Schwimmwesten steht für das Schicksal eines Menschen, die Angst um sein Leben und die Hoffnung auf Rettung. Jede dieser orangefarbenen Westen mahnt zur Hilfeleistung und erinnert an die Opfer unterlassener Hilfe.

Auch in dieser Ausstellung geht es dem donumenta e.V. um den gesellschaftlichen Diskurs mit den Mitteln der Kunst: „Kunst kann vermitteln, wo Politik und Diplomatie an ihre Grenzen geraten“, sagt Regina Hellwig-Schmid, 1. Vorsitzende und künstlerische Leiterin des donumenta e.V.

Vita und weitere Projekte

Der Münchner Künstler Christian Schnurer (geb. 1971 in Schwandorf) ist bekannt für seine Arbeiten im öffentlichen Raum. Seine Installationen und Interventionen haben häufig einen gesellschaftspolitischen Hintergrund. Um Krieg, Flucht, menschenverachtende oder die Freiheit missachtende Politik zu kommentieren, findet Schnurer absurde Bilder, die im Gedächtnis bleiben. Dazu gehört das Projekt „Ostexport“. Mit einem Trabi transportierte er 2015 eine rosa Abwurfrakete von München nach Kiew. Inmitten der Donbass-Krise dokumentierte er das absurde Gefährt vor dem Hintergrund kriegsverherrlichender Monumente. In seiner Arbeit „Smell of Revolution“ arbeitete er mit einem ausgebrannten Auto. Es erinnert an die Straßenkämpfe der tunesischen Jugend im Januar 2011. Das brennende Auto verwandelt der Künstler zur Chiffre dieses Umbruchs. Als Souvenir translozierte Schnurer das Fahrzeug vor die Luxusläden in der Münchner Maximilianstraße.
Christian Schnurer studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München. Für sein Werk erhielt er 2010 den Staatspreis für Bildende Kunst der Bayerischen Staatsregierung, 2018 folgte die Auszeichnung mit dem Kulturpreis Bayern. Im gleichen Jahr wählte ihn der Berufsverband Bildender Künstler Landesverband Bayern e.V. zu seinem Vorsitzenden.

Mehr Informationen zu Christian Schnurer:
www.christian-schnurer.de

www.halle6.net/christian-schnurer