15.07.2022

Frauenrechte sind Menschenrechte

donumenta e.V. präsentiert Skulptur für Selbstbestimmungsrecht der Frau

Skulptur für das Selbstbestimmungsrecht der Frau auf der Steinernen Brücke. (Foto Ferdinand Cibulka)

Rednerinnen bei der Präsentation von Katharina Cibulkas Werk. v.l. Sandra Gretschel, Claudia Alkofer, MdB Dr. Carolin Wagner, Regina Hellwig-Schmid, Katharina Cibulka (Foto: Patrizia Schmid-Fellerer)

Cibulka entdeckt in dem Video, das im Besucherzentrum Weltkulturerbe zu sehen ist, ein Bild, das sie zu ihrer Intervention im öffentlichen Raum inspiriert. (Video: Besucherzentrum Welterbe. Foto: Katharina Cibulka)

REGENSBURG. Gemeinsam mit Beratungsstellen, Politik und Gleichstellungsstelle der Stadt feierte der donumenta e.V. das Werk der österreichischen Künstlerin Katharina Cibulka. Das überdimensionale Hybrid aus Rettungsstange sowie Kleiderbügel und Stricknadel als Symbole für illegale Abtreibungen verbinden Geschichte und Gegenwart der UNESCO Weltkulturerbestadt. Am 13. Brückenjoch wurden bis 1600 Frauen durch Ertränken bestraft. 

Die Rednerinnen, donumenta-Kuratorin Regina Hellwig-Schmid, MdB Dr. Carolin Wagner (SPD), Sandra Gretschel, Leiterin der Gleichstellungsstelle der Stadt Regensburg, Claudia Alkofer, Leiterin von profamilia in Regensburg und Künstlerin Katharina Cibulka waren sich einig. Es gelte die Tabuisierung von Schwangerschaftsabbrüchen zu brechen und ihre Entkrimialisierung voranzutreiben. das Kunstwerk im öffentlichen Raum mit dem Titel „Für Margretha, Johanna, Sophia …“ leiste eben diesen Beitrag zur Enttabuisierung. 

Nur zwei Ärztinnen in Regensburg
Skandalös sei, dass es etwa in Regensburg nur zwei Ärztinnen gebe, die Schwangerschaftsabbrüche als medizinische Leistungen anbieten, berichtete Claudia Alkofer von profamilia. Mit Blick auf das Kunstwerk warb sie für die reproduktiven Rechte und die Gesundheit aller Frauen. MdB Dr. Carolin Wagner nannte die Beispiele aus Polen und den Vereinigten Staaten. „Die USA haben die Uhr im Juni auf das Jahr 1973 zurückgedreht.“ Sie appellierte an die gynäkologischen Praxen, Schwangerschaftsabbrüche wieder in ihren Leistungskatalog aufzunehmen. Sandra Gretschel hofft, dass das durch den Wegfall des Werbeverbots jetzt möglich wird. 

Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart
Kuratorin Regina Hellwig-Schmid berichtete vom Findungsprozess der Künstlerin. Im Artist in Residence-Programm des donumenta e.V. schaffen Künstler*innen aus den Donauländern Verbindungen zwischen der UNESCO Weltkulturerbestadt, Gegenwart und Zukunft. Cibulkas Werk bezieht sich auf die mittelalterliche Praxis der Wasserstrafe und schafft gleichzeitig einen Beitrag zur Debatte über die Selbstbestimmung der Frau im Zusammenhang mit ungewollten Schwangerschaften.
„In den USA haben wir es gerade erst erlebt, aber auch in vielen europäischen Ländern gibt es Bestrebungen die Errungenschaften der Frauenbewegung wieder einzuschränken“, sagt Regina Hellwig-Schmid über die politische Aktualität dieser Arbeit für Regensburg.

Feministischer Ansatz
Die Feministin Katharina Cibulka ist bekannt für Ihre Interventionen und Performances im öffentlichen Raum. Bei ihrem Artist in Residence-Aufenthalt in Regensburg unter dem Motto „HERITAGE TODAY / TOMORROW“ inspirierte die österreichische Künstlerin ein Video im UNESCO-Welterbezentrum an der Steinernen Brücke. Dort wird der berühmte Kupferstich des Matthäus Merian aus dem 16. Jahrhundert animiert. Er zeigt so das Leben und – so muss ergänzt werden – das Sterben auf der Steinernen Brücke. Am 13. Brückenjoch fanden bis um 1600 so genannte Wasserstrafen statt. Cibulka verknüpft die mittelalterliche Praxis der Todesstrafe mit den Rettungsstangen, die das Ufer der Donau im Stadtgebiet heute säumen. Zwei diametral entgegengesetzte Perspektiven auf das Leben verbinden sich zu einer Skulptur die gleichermaßen an Rettungsstangen und Abtreibungsinstrumente erinnert.

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